Buchtipp: Frank Schirrmacher – Ego

Schirrmacher - EgoGerade erst hat Italien versucht bei einer traditionell unübersichtlichen Wahl eine neue Regierungsspitze zu wählen. Peer Steinbrück hat diese Selektion mit Argwohn beobachtet und ist bei seiner Einschätzung einmal mehr ins politische Fettnäpfchen getreten. Der SPD-Spitzenkandidat für die diesjährige Bundestagswahl scheint bei seinen Äußerungen nicht immer die Etikette zu wahren, sagt aber zumindest klar und deutlich, was er denkt. Dies hat nun auch ein bekennender Anhänger der anderen großen Partei getan, die sich bei der nächsten großen Wahl berechtigte Chancen ausrechnen darf. Frank Schirrmacher galt schon zu Zeiten der Ära Kohl als ein Befürworter der Christlich-Sozialen. Umso erstaunlicher wirkt nun sein sehr linksgerichtetes Buch „Ego“, das seit einigen Wochen in aller Munde diskutiert wird.

Eine harsche Streitschrift gegen den Kapitalismus

Blickt man auf die benannte Parteiverbundenheit, scheint der Inhalt dieses 350-Seiten starken Werkes schon recht sonderbar. Eine noch eigenartigere Note bekommt es, wenn man bedenkt, dass es sich bei Schirrmacher um den Mitherausgeber der FAZ handelt, die ja wahrlich kein antiwirtschaftliches Blatt darstellt. Nichtsdestotrotz aber muss er als Autor angesehen werden, der die ganze Konzentration auf das Finanzielle und die stark zunehmende Abhängigkeit von den modernen Medien mit einem kritischen Auge betrachtet. Zwar überspitzt er die Argumente, so dass man auch einen Hauch Ironie hineininterpretieren und das Ganze umdrehen könnte. Er selbst aber hat in allen Runden, in denen das Buch bisher diskutiert wurde, deutlich für die eigens verfassten Zeilen Partei ergriffen.

Die Frage danach, wo uns das hinführt

Bereits in vergangenen, politisch geprägten Werken hat Schirrmacher darauf verwiesen, dass er die Argumente der Linken durchaus nachvollziehen und ihnen ideologisch folgen kann. Das, was derzeit das globale Geschehen prägt, sei nur ein weiteres Experiment an der Menschheit. Dieses füge sich somit ohne Probleme in die Geschichte ein und sei lediglich ein Folgeprodukt von Faschismus und Kommunismus. Zentral für diese Argumentation ist die so genannte Spieltheorie, die bereits im Kalten Krieg von den Vereinigten Staaten angewendet wurde und auf die sich Schirrmacher bezieht. Gleiches finde sich nun in der Wirtschaft und der Computerindustrie wieder. Die Frage ist nur, wie man dieses Phänomen aufhalten möchte. Mit der vom Autor beschriebenen notwendigen Entwicklung einer europäischen Suchmaschine ist dem Übel vermutlich nicht auf den Grund zu gehen.


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