Buchtipp: Die Akte Kachelmann – ein ungelöster Fall

Während meiner Schulzeit las ich ein echt beeindruckendes Werk, das nachhaltige Wirkung bei mir erzielt hat. Noch heute denke ich gelegentlich darüber nach, wie es ist, wenn man zum Spielball der Medienlandschaft wird und wie vom einen auf den anderen Tag diese dafür der Grund sein kann, dass Existenzen zusammenbrechen. Ohnehin scheint mir Heinrich Böll ein sehr weitsichtiger Autor gewesen zu sein, doch mit „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ übertraf er sich selbst. Dass dieses Stück nicht nur meine, sondern gesamtgesellschaftliche Beachtung verdient, zeigen immer wieder auftretende Vergleichsszenarien, die uns als Gesellschaft ins Reden bringen. Prominentestes Beispiel, das auch jetzt noch aktuell scheint, ist der Fall Kachelmann.

Keinesfalls fragwürdig im Raum steht, dass Kachelmann ähnlich wie der Golfstar Tiger Woods eine Menge Frauen gleichzeitig in den Bann zog. Ob er sich aber auch gewalttätig verhalten hat und die Frauen gewissermaßen forsch zur Zweisamkeit zwang, genau das versuchte man im letzten Jahr herauszufinden. Kachelmann wurde, und das zeigt auch der heutige Buchtipp „Die Akte Kachelmann“ von Thomas Knellwolf, freigesprochen. Nicht, weil man ihn zu 100 Prozent für unschuldig hielt, sondern weil die Wahrheit nicht vollkommen rekonstruierbar erscheint. Knellwolf hat Kachelmann und das Gerichtsgeschehen intensiv verfolgt und ein Werk zusammengestellt, welches Informationen parat hält, die der Laie niemals zu Ohren bekommen hat. Dort enthalten sind unter anderem Interviews und Gespräche mit Prozessbeteiligten und Freunden. So wird das Werk zur Rekonstruktion von etwas, das nicht zu rekonstruieren ist, nämlich dem Fall Kachelmann, der die Gesellschaft gespalten und seine Karriere beendet hat.


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  1. […] der gesellschaftlichen Diskussion darstellt. Was würde Chartier behaupten, wenn er sich den Fall Jörg Kachelmann aus dem vergangenen Jahr anschaut? Haben wir als Gesellschaft diese Hasstriaden, die in den Medien […]

    12.07.2011
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