Buchtipp: Christian Fuchs & John Goetz – Die Zelle

Manche Bücher werden schon vor ihrer Veröffentlichung heiß diskutiert. Ihr Thema oder auch der Autor selbst steht dabei im Fokus, vielleicht auch die eine oder andere These, die schon vorab an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Beim Autorenduo Christian Fuchs und John Goetz sind es wohl in erster Linie die Brisanz und jene Aktualität, die ihr Werk „Die Zelle“ in sich trägt. Schon vieles hat man in den Nachrichten zu den bösen Machenschaften des rechtsextremen Dreiergespanns Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe vernehmen können, dieses Schriftstück jedoch lässt den Leser noch mehr über Recht und Unrecht, Schuld und Strafe reflektieren.

Gedanken, die zu Taten werden

Dass es auch heute noch ein gewisses nationalsozialistisches Gedankengut in Teilen unserer Gesellschaft gibt, ist jedem, der bereit ist, die Augen zu öffnen, ganz sicher kein Geheimnis gewesen. Was allerdings bei den Ermittlungen im Fall der Zwickauer Terrorzelle herauskam, konnte niemand erahnen. Unter Beachtung der Biographien der drei Haupttäter liefern die beiden Autoren eine detaillierte Reportage über das rechtsextreme, organisierte Verbrechen. So scheint auch eine Darstellung der Nachkriegs- und späteren Wendezeit für das Gesamtwerk von Bedeutung.

Wie kann so etwas passieren?

Die Frage, die sich genau genommen alle Menschen nach Bekanntwerden des Falls gestellt haben, bewegt auch den Schriftsteller Fuchs, der wie die Täter in der DDR aufgewachsen ist und dem stets unklar geblieben ist, wie die drei Rechtsextremen ihre Taten in der unmittelbaren Umgebung ihrer Heimat vollziehen konnten. Auf der Suche nach Antworten hat er mit Goetz auch Polizeiberichte durchgeforstet und mit Angehörigen gesprochen. So sind die 272 Seiten gefüllt mit reichlich Ermittlungsergebnissen, wobei sie letztlich eine exakte Antwort schuldig bleiben. Das Warum kann man ganz sicher mit den eigenen Überzeugungen versuchen zu erklären. Dies einzig allein kann jedoch nicht als Rechtfertigung dienen, weder für die Taten selbst noch für ihr langes Nichtentdecken.


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