Buchtipp: Bettina Wulff – Jenseits des Protokolls

Bettina Wulff - Jenseits des ProtokollsImmer dann, wenn das Werk einer Person angekündigt wird, die in der Öffentlichkeit steht, wird die Veröffentlichung schon im Voraus ausgiebig diskutiert. Man erwartet neue, brisante Informationen, vielleicht auch das eine oder andere skandalöse Detail aus dem Leben eben jener Person. Bettina Wulff, der Frau des ehemaligen Bundespräsidenten, ging es in letzter Zeit aber eher darum, diese von vielen Lesern gewünschten Details möglichst aus der eigenen Biografie zu streichen. Noch bevor Christian Wulff zum Repräsentanten des Landes gekürt wurde, kursierten Verleumdungen im Internet, denen sie jede Grundlage absprach. Genau gegen diese wehrte sie sich jetzt und reichte Klage ein. Ob es zu einer Verhandlung kommen wird, ist fraglich, Erfolg scheint dieses Unterfangen nicht zu haben. Vielleicht schlägt ja wenigstens ihre Autobiografie „Jenseits des Protokolls“ ein.

Zwischen Sein und Schein

Ein bisschen verwundert ist man beim Lesen der gut 200 Seiten schon, irgendwie passen die geschriebenen Sätze so gar nicht zu der scheinbar charismatischen Frau an der Seite des Herrn Wulff. In der Tat aber haben wir als Beobachter immer nur jene Fassade wahrgenommen, die Bettina Wulff aufrechterhalten wollte. Anders als bei anderen politischen Biografien geht es ihr nicht darum, den Alltag als First Lady zu beschreiben und über wichtige Staatsbesuche zu referieren. Vielmehr ist sie es selbst, die in den Vordergrund gerückt wird und sich dadurch endlich einmal Gehör verschaffen möchte. Sie macht dabei ihrem Mann und der medial geprägten Gesellschaft Vorwürfe. Schließlich waren diese es doch, die sie in diese von ihr als undankbar bezeichnete Rolle gedrängt haben.

Rotlicht, Spenden und jede Menge Ärger

Sicherlich hatte die 38-Jährige in den letzten Monaten keine einfach Phase zu durchlaufen. Ihr Mann wurde zum Rücktritt gedrängt, immer mehr Details aus dem Finanzhaushalt der Wulffs gelangten an die Öffentlichkeit. Als wäre das nicht genug, ist in den letzten Tagen auch noch ihr Versuch, die eigene Personenakte reinzuwaschen, gründlich schief gegangen. Mit ihrer aussichtslosen Klage gegen Google sorgte sie letztlich selbst dafür, dass das Thema noch mehr in den Fokus gerückt wurde und selbst diejenigen, welche die Geschichte noch gar nicht kannten, der Sache folgen konnten. Eines hat sie damit ganz sicher erreicht. Man redet nicht mehr über ihren Mann, man redet über Frau Wulff. Selbst, wenn ihr Werk keine großen Skandale hergibt, kann es durchaus Erfolg mit sich bringen. Insofern ist es nicht ausgeschlossen, das Bettina Wulff es mithilfe ihrer Geschichte schafft, sich selbst als die eigenständige Frau darzustellen. Genau das ist es nämlich, worum es in dem Buch geht.


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