Buchtipp: A. M. Homes – Das Ende von Alice

Fortan ist die Sache für mich hinfällig. Die Fragen, was Literatur darf, wie weit sie gehen kann und wo ihr irgendwelche Grenzen gesetzt sind, finden mit unserem heutigen Buchtipp ein jähes Ende. Vielmehr sollte man sie dahin gehend umformulieren, dass es eigentlich heißen müsste, was können wir aus ihr lernen oder was sollte sie uns erzählen. Mit „American Psycho“ von Bret Easton Ellis habe ich meinen ersten Roman gelesen, nach dem ich mir diese Fragen stellte. Später dann verstand ich dieses Werk genauer und dachte darüber nach. So abwegig schien es mir gar nicht, schließlich leben wir in einer zu Teilen kranken Gesellschaft. So scheint auch „Das Ende von Alice“ Literatur zu sein, wenngleich sie reihenweise Diskussionsstoff hinterlässt.

Bereits 1996 sorgte A. M. Homes mit der Geschichte des Pädophilen Chappy für großes Aufsehen. Reihenweise verweigerten Verleger den Druck. Noch skandalöser wurde es schließlich, als die Gesellschaft das Stück dann zu lesen bekam. Knapp 23 Jahre sitzt der besagte Straftäter bereits hinter Gittern, seine lebenslange Haftstrafe für den Mord an der 12-jährigen Alice geht dem Ende entgegen. Von seiner Tat angetan schreibt ihm eine 19-Jährige, die in den Sommerferien ganz gerne mal auf das Nachbarhaus ihrer Eltern blickt, um einem sieben Jahre jüngeren Burschen zu bewundern. Das schreibt sie Chappy und es entsteht eine gruselige Brieffreundschaft durchzogen von Perversion, vielen gegenseitig erläuterten Widerwertigkeiten und Dingen, die für den normalen Verstand es nicht wert sind, zu Papier gebracht zu werden. Letztlich zeigen diese beiden aber, dass es in der Menschenwelt auch immer einige Ausnahmen geben kann, die andere zum Diskutieren bringen.


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