Buchmesse Frankfurt 2008 – FAZ Messezeitung Tag 3

 

Die Buchmesse wird immer voller und enervierender. Eigentlich sollte man zu
Hause bleiben und erst nach Mitternacht auf die Verlagsparty seines Vertrauens
gehen, denn die werden dann immer leerer und entspannter. Bei Rowohlt muss man
allerdings etwas länger warten. Da stehen noch alle in der Rotunde der
Schirn-Kunsthalle herum, und zwar so dicht, dass man sich am besten an der Wand
entlang hinter den Heizpilzen durchdrückt, wenn man von der einen Bar zur
anderen Bar will.

 

 

Hier sind schließlich alle: Autoren, Kritiker, Verleger, Lektoren, Presse-Damen
und die 37 F.A.Z.-Mitarbeiter. Und alle kommen jedes Jahr wieder, weil Rowohlt
weiß, was Buchmessegäste brauchen: Wein und wirklich gute Häppchen. Aus den
Fehlern der letzten Jahre hat man gelernt, man hat den Bereich vergrößert und
schickt die ganze Nacht noch Tabletts mit Spießchen herum.

Außerdem bekomme ich die hübsche Geschichte von dem erbosten
"Feuchtgebiete"-Leser erzählt, der in sein Exemplar hineinkackte und es derart
verziert dem DuMont-Verleger Hartges retournierte. Ein nicht gänzlich
unkonsequentes Statement.

Fäkal gehe es in diesem Jahr auch im Lesezelt zu, erzählt man sich. Das habe man
nämlich ausgerechnet über dem Abluftschacht der Kanalisation errichtet,
dementsprechend röche es dort etwas streng. Das ist nicht schön, denn dort
verbringe ich üblicherweise die Publikumstage, trinke Kaffee und lasse in
völliger körperlicher und geistiger Lethargie einen Autor nach dem nächsten an
mir vorbeiziehen.

Das Lesezelt ist zwar auch voll, aber nicht so voll wie der Gang zwischen Halle
3 und Halle 4. Dieser Gang macht mich sofort aggressiv. Und dann dieses
entsetzliche Restaurant, dessen Geruch nach Sauerkraut und Spüli man nicht
entgehen kann. Heute habe ich mich dort in der Essensschlange angestellt und
bekam eine Lasagne auf mein Plastiktablett gereicht, die nach Mensa aussah und
nach Mensa schmeckte. Der Preis und die Größe der Portion waren allerdings eher
an Edelitaliener-Maßstäben ausgerichtet. Dazu eine homöopathische Dosis
Orangensaft, der vermutlich nur deshalb so teuer ist, weil der Kassierer ihn für
einen vorschüttelt.

Eigentlich ist es kein Wunder, dass alle auf die Empfänge strömen und sich das
Nacht für Nacht antun. Es ist die einzige Möglichkeit, in halbwegs würdevoller
Umgebung etwas zu essen, was nach etwas schmeckt und einen nicht finanziell
ruiniert.

Lesen Sie die Langfassung des Blogs von Andrea Diener unter www.faz.net/diener

 

  
Happy Hour mit Maulwurf
 
Im Morast der Unabhängigkeit
 
"Ich bin ein Maulwurf in den abhängigen Verlagen", sagt Delf Schmidt, "aber
hören Sie auf, mich zu interviewen. Ich bin zu betrunken." Der Lektor des
Berlin-Verlags steht am Stand des unabhängigen Klaus Wagenbach und sieht sich
nach den letzten Zentimetern Freiheit um, die es im Partygedränge noch gibt. Der
Berlin-Verlag ist Eigentum der BV Deutsche Zeitungsholding. "Was soll das sein?
Ein unabhängiger Verlag?", fragt der Lyriker Gerhard Falkner, der neben Schmidt
steht. "Der Maulwurf", sagt Schmidt und lässt einen Gin Tonic an sich
vorüberziehen, "unterminiert das Gefüge." Dietrich zu Klampen serviert an seinem
Stand Champagner und Erdnussflips, bei Antje Kunstmann gibt es Prager Bier.
Hinter dem Stand von Stefan Weidle, der seiner Frau Barbara Rosen überreicht,
trinken die Verleger Rainer Weiss und Anya Schutzbach mit ihrem Autor Artur
Becker unbeobachtet Wodka. Happy Hour bei den "Unabhängigen Verlagen". "Wir sind
der Morast", sagt Stefan Weidle, der sich im Vorstand der Kurt-Wolff-Stiftung
für die Unabhängigen engagiert, "aus dem die Blüten wachsen." Rainer Stach
erzählt was über Kafka, Jürgen Neffe zieht sein (allerdings bei Bertelsmann
erschienenes!) Buch über Darwin aus der Tasche. Gerhard Polt sagt zu Antje
Kunstmann: "Die Merkel hat’s mit den Knien." Es gibt kein richtiges Leben im
falschen? Delf Schmidt nickt. "Ja, so war’s. Hier in Frankfurt hat das mal einer
gesagt."
 
 
 
 
Was lange währt, wird immer besser


Der Antiquariatshandel hat sich durch das Internet gewandelt. Aber immer
noch bewährt sich das klassische Ladengeschäft.

   

Von Jochen Schimmang

 

Der Kölner Buchhändler Klaus Bittner ist ein Mann, der den Wert von Büchern zu
schätzen weiß. Im Sommer 1989 fand ich bei ihm endlich eine Ausgabe von Paul
Valérys Notatband "Windstriche", erschienen in der Bibliothek Suhrkamp. Ich
schlug den Band auf und las die Bleistiftnotiz: "Vergriffen, 30 DM." Die habe
ich dann bezahlt, unter Schmerzen zwar, aber schon wegen der längeren Notiz über
die Länder, deren Charakter von Brot und Wein bestimmt wird, wollte ich den Band
unbedingt haben.

In den Kölner Antiquariaten war ich zuvor nicht fündig geworden. Nicht einmal
bei Siegfried Unverzagt in der Limburger Straße, dessen Antiquariat so aussieht,
wie man sich’s erträumt: vollgestellte Regale, die bis hoch an die Decke
reichen, der Antiquar selbst noch einmal hinter Büchern verschanzt, und in der
Luft meint man den Staub von hundert Jahren zu spüren. Eine riesige Fundgrube,
aber damals kein Valéry.

Heute haben wir es alle einfacher, und preisbewusste Buchhändler wie Klaus
Bittner haben es vielleicht ein bisschen schwerer. Virtuell können wir uns
beinahe in allen Antiquariaten des Landes umsehen und werden im Normalfall das
Buch finden, das wir suchen. Da die Halbwertszeit von Büchern immer kürzer wird
und manche Neuerscheinung aus dem letzten Jahr schon wieder aus dem Sortiment
verschwunden ist, wird das immer wichtiger. Der manische Leser hat deshalb
Online-Datenbanken wie das ZVAB, Abebooks, Antiquario und andere unter seinen
Favoriten abgespeichert.

Als beinahe noch wichtiger aber hat sich der antiquarische Online-Buchhandel für
viele Händler selbst erwiesen. Wer erinnert sich nicht an so manche Stunde, die
er als einziger Kunde im Dämmer vollgestellter Antiquariate verbracht hat, ohne
am Ende etwas zu finden und sich draußen dann zu fragen, wie dieser Laden
eigentlich bisher überleben konnte? Nicht wenigen dieser dahindümpelnden
Antiquariate hat das Internet schlichtweg die Existenz gerettet. Nach einer vom
ZVAB in Auftrag gegebenen Studie belief sich der Anteil der Online-Verkäufe im
Sommer 2007 schon auf 55 Prozent. Nur noch achtzehn Prozent der Umsätze
erfolgten über den stationären Handel, der Rest lief über Kataloge und Messen.

Nun kann diese Schätzung für den individuellen Händler ganz anders aussehen.
Victor Canicio etwa, der einen wunderschönen Laden in der Heidelberger Plöck
führt, macht nach eigenen Angaben noch immer sechzig Prozent seiner Umsätze
direkt im Laden und den Rest übers Internet. Und selbst wenn sich dieses
Verhältnis mehr als umdrehen würde, würde er auf sein Ladengeschäft niemals
verzichten. Das Geschäft ist für ihn "die ungedruckte Visitenkarte. Denn wenn es
eine immergültige Wahrheit im Antiquariat gebe, sagt er, "dann lautet sie: Der
Gewinn liegt im guten Ankauf."

Denn das unterscheidet ja den klassischen Antiquar (die Rede ist hier nicht von
Großverramschern wie Jokers oder Zweitausendeins) vom normalen Buchhändler: Er
bekommt nicht, was er will, sondern nur das, was ihm angeboten wird. Und das
sind in aller Regel von jedem Buch nur Einzelexemplare, die er nicht wie der
Buchhändler nachordern kann.

Auch Siegfried Unverzagt glaubt, dass für den Antiquar wie für den Kunden das
Ladengeschäft weiterhin unentbehrlich ist: "Es könnte sogar in Zukunft als eine
Art Gegenpol zum anonymen Internethandel wieder wichtiger werden, da es doch der
Wunsch vieler Buchleser ist, einen direkten Kontakt mit ,ihrem‘ Antiquar im
persönlichen Austausch zu pflegen." Aber auch Unverzagt sieht, dass der
Internethandel immer stärker dominieren wird und diese Entwicklung noch
keineswegs abgeschlossen ist.

Andere Konsequenzen hat daraus Jo Hauberg von "Zapatabuch" in Bordesholm
gezogen. Sein Laden ist nichts anderes mehr als ein riesiges Lager, und betreffs
Öffnungszeiten heißt es lapidar: "nach Absprache". Es lohnt sich zwar, diese
Absprache zu treffen, allein schon wegen mancher Preziose in der Abteilung
"Deutsche Literatur in Erstausgaben". Insgesamt aber hat Hauberg auf reinen
Internetversand umgestellt und gibt unumwunden zu, dass er ohne das Internet
seinen Laden vielleicht hätte schließen müssen, weil der Markt zu klein geworden
wäre.

Auch Unverzagt und Canicio sind sich ganz sicher, dass so mancher Kollege
(Kolleginnen gibt es in diesem Bereich nicht viele) durch den Online-Buchhandel
gerettet worden ist. Was für den normalen Buchladen eher eine Bedrohung ist, ist
für Antiquare die Schaffung eines "Neuen Marktes" gewesen, der sich
ausnahmsweise nicht als Luftblase herausgestellt hat, sondern riesig ist. Denn
schätzungsweise 98 Prozent aller Bücher, die jemals auf der Welt erschienen
sind, sind nach der ZVAB-Studie vergriffen.

Und wie sehen die Preise auf diesem neuen Markt aus? Bei häufiger verfügbaren
Titeln gehen sie zwar etwas nach unten, da der Kunde bei der Online-Suche den
Preisvergleich hat. Aber da dieser Kunde eine besondere Spezies ist, kauft er
nicht automatisch das billigste Exemplar. Das Discounter-Prinzip funktioniert im
Antiquariatsgeschäft nicht. Beste Absatzchancen hat das Buch, das am besten
beschrieben ist, da sind sich alle Händler einig. Es ist eine ganz eigene,
poetische und durchaus sinnliche Fachsprache, die da in den Internetangeboten
des Antiquariatsbuchhandels erklingt.

Werden Kindle und das E-Book diesem Markt nun den Garaus machen? Oder könnte es
umgekehrt sogar so sein, dass das gute alte Buch einen höheren Sammlerwert
erhält und damit auch wieder höhere Preise erzielt? Das eine hält Canicio ebenso
für eine Illusion wie das andere, weil durch das E-Book die pure Anzahl der
schönen alten Bücher ja nicht geringer und damit das Angebot nicht kleiner wird.
Siegfried Unverzagt will nicht ausschließen,"dass Erstausgaben bestimmter Titel
(Freuds "Traumdeutung", Kafkas "Betrachtung", Kants "Kritik der reinen Vernunft"
und dergleichen), die schon jetzt einiges kosten, im Wert noch einmal
überproportional steigen werden. Da wird das Buch zum "Kulturdenkmal".

Der Schriftsteller Jochen Schimmang veröffentlichte zuletzt den Band "Auf
Wiedersehen, Dr. Winter".

 

 
 
Messefluchten

Ristorante "La Traviata"
 
Von Roland Zorn
 
Das Lokal heißt zwar "La Traviata", doch quatscht dort niemand Opern. Der
Grundtenor in der Sachsenhäuser Pizzeria lautet auf "Juve". Wer schon immer
alles über Italiens Rekordfußballmeister Juventus Turin erfahren wollte, ist
besonders willkommen. Hier, wo der kugelige Süditaliener Rocco und sein Bruder
Giocondo neben ihrer Dauerbeschäftigung mit dem Thema Fußball als Pizzabäcker
vor dem Herrn ganze und schnelle Arbeit leisten. Wer also für den Moment etwas
anderes will als ständig mit klugen Kollegen über Bücher zu reden, sollte in
diesen literaturfreien Raum tauchen. Im "La Traviata" bestimmen die Herren
Brandi die Agenda und reden am liebsten über den Klub. Dazu rollt, wann immer
irgendein Fußballspiel läuft, der Ball auf einem Flachbildschirm. Wer nicht
will, muss weder hingucken noch mitreden. Man kann sich an einem der Holztische
niederlassen und durchatmen. Rocco und Giocondo nehmen Rücksicht auf den Gast.
Gelegentlich nehmen sie diesem sogar die Bestellung ab. Wer nicht weiß, worauf
er Appetit hat, bekommt schon mal zur Antwort "Lassen Sie mich machen". Wer den
Wirt machen lässt, zahlt zwar später trotzdem die Zeche, muss aber um sein
leibliches Wohl nicht fürchten. Von der Messe ist der Italiener leicht
erreichbar mit der S-Bahn Richtung Südbahnhof.  

 

Pizzeria "La Traviata", Textorstraße 50.

 

 
 
 
Drama des bedrohten Tieres


Der Zoodirektor Manfred Niekisch spricht über Artenschutz
 

Regen in Frankfurt, in den Messehallen feuchtschwüle Luft. Am Stand steht,
groß wie ein Regenschirm, der aufgeschlagene Bildband des WWF Artenschutz: "Die
bedrohten Tiere der Erde". Auf dem Umschlag sind zwei Gorillas abgebildet – im
Regen. Das Vorwort hat Manfred Niekisch geschrieben, Direktor des Frankfurter
Zoos.

 

Herr Niekisch, Sie sind Spezialist für Amphibien und erzählen im Buch die
reizende Geschichte von einem leider ausgestorbenen australischen Frosch, der
seine Eier verschluckt, im Magen ausbrütet und die Jungtiere ausspuckt. Bedauern
Sie, dass im Buch keine Amphibien vorkommen?

Die Aushängeschilder des Artenschutzes sind natürlich die Säugetiere: Affen oder
Raubtiere. Wenn wir mit einem Schneeleoparden mehr Aufmerksamkeit als mit einem
Molch erreichen, ist es mir aber auch recht.

Viele der Arten im Buch gibt es auch in Ihrem Frankfurter Haus. Was hat das
Löwenäffchen davon, im Zoo zu sein?

Das ist ein gutes Beispiel. Wir hatten in Frankfurt ein Nachzuchtprogramm,
zusammen mit der Zoologischen Gesellschaft, und die Tiere konnten in ihrer
Heimat Brasilien wieder ausgewildert werden. Darum gibt es die Löwenäffchen
heute noch.

Was ist die Hauptbedrohung für Arten in Deutschland?

Für das Aussterben von Arten kann es viele Gründe geben. In Deutschland sind sie
bekannt: Landwirtschaft und Straßenbau. Die Lage hat sich bei uns in den letzten
Jahren aber stabilisiert. Durch den Mauerfall sind einige Arten wieder
zurückgewandert, Wölfe etwa.

Sterben heute mehr Arten aus als zuvor? Ja. Die Aussterberate liegt tausendmal
höher als normal. Das ist alarmierend.

Die Fragen stellte Julia Voss.

 

 
 
 
Vom Ende des Buchs
 
In Amerika sucht man verzweifelt nach neuen Formen des Lesens.

Von Jordan Mejias  

 

 

 

 

Auf 120 000 schätzte Philip Roth die Zahl der amerikanischen Leser, die
ernsthaft an Literatur interessiert sind. Das war vor fünfzehn Jahren. Alle zehn
Jahre aber, so Roth weiter, verringere sich diese Zahl um die Hälfte. Bis zum
Ende des Jahrhunderts wäre demnach das literarische Amerika verschwunden. Im
Vergleich mit dieser Voraussage nimmt selbst die gegenwärtige
Wirtschaftskatastrophe freundliche Züge an. "The End" überschrieb denn auch
gnadenlos das Stadtmagazin "New York" seine Geschichte, in der es nicht um
Bankenkollapse, wertlose Aktien und geplatzte Kredite ging, sondern um Bücher.

Der Kindle, jener vom Internethändler Amazon vor knapp einem Jahr auf den Markt
gebrachte Leseapparat, hat die gesamte Branche in helle Aufregung versetzt. Was
braucht auch ein Leser noch bedrucktes Papier, wenn er sich zu jeder Tages- und
Nachtzeit, ganz ohne umständliche Kabelverbindung und folglich im Schlafzimmer
ebenso wie im Büro, Bücher, Zeitungen und Zeitschriften herunterladen kann?
Amazon verrät nicht, wie viele derartige Geräte bereits im Umlauf sind, aber
Schätzungen belaufen sich bereits auf viele Zehntausende, wenn nicht einige
Hunderttausende.

Der Amazon-Chef Jeffrey P. Bezos mag den Kindle als Verbesserung des Buchs
preisen und die im Papiergeschäft dahinkriselnde Konkurrenz damit zu trösten
suchen, dass Amazon zwar weit mehr als 100 000 Titel elektronisch anbiete, deren
Verkauf aber erst sechs Prozent des Firmenumsatzes an Büchern erreiche. Zudem
hätten Kunden, die einen Kindle besitzen, deswegen nicht weniger Bücher
bestellt. Doch das reicht alles nicht, um die traditionellen Verleger zu
beruhigen. Vor allem trauen sie Bezos nicht über den Weg, weil er für den Kindle
Bücher noch zu einem Preis anbietet, der unter dem Betrag liegt, den er dafür
den Verlagen zahlt. Steigt die Popularität des Geräts, könnte Amazon auch die
größten Verlage unter Druck setzen, ihre Preise zu senken.

Der Kindle allein ist für die Krise aber nicht verantwortlich. Die inzwischen
oft in die Millionen gehenden Vorschüsse zahlen sich allenfalls bei
massentauglichem Lesestoff aus. Ob etwa Warren Buffetts neue Biographie, für die
Bantam Dell der Autorin Alice Schroeder stolze sieben Millionen im Voraus
überwiesen hat, diese Summe wieder einspielt, wird sich zeigen. Ehe es die
Profitzone erreicht, müsste das Buch sich rund zweimillionenmal verkaufen.

Von solchen Beträgen verführt, wechselten auch Tom Wolfe und Richard Ford ihre
Verlage. Nach 42 Jahren bei Farrar, Straus & Giroux ging Wolfe zu Little, Brown,
wo ihm für sein nächstes Buch sieben Millionen zugesichert wurden. Ford, bisher
bei Knopf untergebracht, kasssiert nun von Ecco drei Millionen für seine
nächsten drei Romane. Auch wenn Vorschüsse bisweilen als Werbekosten gelten
dürfen, sind derart üppige Beträge schwer zu rechtfertigen. Qualität spielt
dabei keine Rolle mehr.

Die Konsolidierung der Verlage geht einher mit jener der Buchhandelsketten. Am
Rande des Ruins steht die Borders Groupe. Wenn Barnes & Noble sie übernähme,
wären dreißig Prozent des amerikanischen Marktes in einer Hand. Mit zehn Prozent
machen sich die unabhängigen Buchhandlungen gerade noch bemerkbar, den Rest
teilen sich die Großmärkte und Amazon. Bezos wird zudem zugetraut, ein
vertikales Unternehmen aufzubauen, also vom Ankauf von Manuskripten bis zur
papierlosen Lieferung den Kunden mit dem gewünschten Lesestoff zu versorgen.
Dann wären Verlage und Buchhandlungen überflüssig. Angeblich sollen Biographien
von Michelle Obama und Cindy McCain demnächst direkt auf dem Kindle ihre
Premiere haben.

Ob "Books on demand" oder E-Bücher – so gut wie alle künftigen Buchformate
dürften ohnehin bald, wenn Zukunftsforscher recht behalten, kostenlos angeboten
werden. Profit käme durch Nebeneinnahmen zustande, zum Beispiel durch den
Verkauf einer besonders schön und aufwendig gestalteten Edition, von T-Shirts
oder Kaffeebechern, alles zu erwerben bei Lesungen, für die natürlich Karten
verkauft werden. Einige Rock- und Popgruppen haben dieses Geschäftsmodell schon
ausprobiert. Bücher wären so im Grunde nur noch Werbematerial für
Veranstaltungen und Handelswaren, die im Gegensatz zu Wissen und Information
eben nicht zu digitalisieren sind.

Neueste Hoffnung oder auch Albtraum eines jeden Verlegers ist das Computerspiel,
das zum Buch hinführen soll. In seinen Science-Fiction-Romanen, für die sich der
kanadische Schriftsteller PJ Haarsma das Planetensystem Orbis ausgedacht hat,
sind Hinweise versteckt, ohne die kein Weiterkommen in dem von ihm ebenfalls
entwickelten Spiel ist. Wer spielt, muss auch lesen. Könnte das ein Ausweg aus
der Buchkrise sein?

 

 
 
 
 
In Frankfurt stand ein Automat


Elektronische Bücher, Lesegeräte, Books on Demand und Urheberschutz im
Netz: Ist das überhaupt noch eine Buchmesse?

Von Georg Giersberg

 

Lange wurde gerätselt, ob Amazon auf der Buchmesse sein Lesegerät für
elektronische Bücher vorstellen würde, da kam dem amerikanischen
Handelsunternehmen der japanische Elektronikkonzern Sony zuvor und präsentierte
sein PRS 505. Unter dem Weihnachtsbaum wird es in diesem Jahr allerdings noch
keinen Konkurrenzkampf des gedruckten Buches mit seinem elektronischen
Nachfolger geben: Erst im Frühjahr 2009 will Sony gemeinsam mit der zum
Douglas-Konzern gehörenden deutschen Buchhandelsgruppe Thalia
(zweihundertvierzig Geschäfte) und dem Buchgroßhandelsunternehmen Libri
(dahinter stehen die Tchibo-Inhaber Herz) den sogenannten E-Reader in
Deutschland einführen. Obwohl Sony bereits Erfahrungen in den Vereinigten
Staaten, in Großbritannien und in Frankreich gesammelt hat, verweigert
Deutschland-Geschäftsführer Jeffry van Ede über die geplanten Verkaufszahlen
jede Auskunft. Auch zum Preis des Lesegerätes sei noch kein Beschluss gefasst
worden. Die 299 Euro, für die man den E-Reader in Frankreich verkaufe, seien
aber ein Anhaltspunkt.

Dafür würden die elektronischen Buchversionen preiswerter ausfallen als die
gedruckten Ausgaben, versichert Libri-Geschäftsführer Pascal Zimmer. Zwar gelte
auch in der elektronischen Welt die Buchpreisbindung, sie liege "aber zwanzig
Prozent unterhalb des Preises für die Druckausgabe". Man spart ja auch die
Druck- und die Vertriebskosten. Die elektronische Buchversion lädt man sich von
der Libri-Internetseite herunter, bezahlt wird mit Kreditkarte. Damit das
Geschäft schnell ins Rollen kommt, werde man anfangs einige Bestseller zum
Herunterladen anbieten, versicherte Zimmer. Insgesamt stünden mehrere tausend
Titel zur Verfügung. Namhafte Verlage, darunter Siedler, Bertelsmann,
Luchterhand, Lübbe, Campus, dtv und Hanser, hätten ihre Mitarbeit angekündigt.
Aber nicht exklusiv. Niemand will zurückstehen, wenn Wettbewerber auf den Markt
kommen – darunter das von vielen erwartete Konkurrenzprodukt von Amazon namens
Kindle.

Die Elektronik ist beherrschendes Thema der diesjährigen Buchmesse – auch wenn
Sony seinen PRS 505 in der hintersten Ecke des Messegeländes präsentierte und
Amazon sich bisher gar nicht blicken ließ. Das Lesegerät, das vor allem
Viellesern die Last der Bücher ersparen will, ist dabei nur eine Variante, wie
die Elektronik das gedruckte Buch immer stärker verdrängt: In der Wissenschaft
ist es längst üblich, neue Bücher nur am Bildschirm zu lesen.

Eine weitere Variante ist das Buch auf Bestellung, das sich auch hierzulande
unter dem englischen Begriff Books on Demand immer stärker durchsetzt. Seit
Suhrkamp erst kürzlich entschieden hat, seine Bücher künftig bei kleinen
Auflagen auf diesem Weg unter die Leute zu bringen und Einzelexemplare nur dann
drucken zu lassen, wenn eine Bestellung vorliegt, hat Books on Demand sein
Billigimage verloren. Davon jedenfalls ist Moritz Hagenmüller überzeugt, der
Geschäftsführer der Books on Demand GmbH in Norderstedt bei Hamburg, des
deutschen Marktführers. Die Umsatzentwicklung gibt ihm recht, sein Unternehmen
wächst "weit stärker als zwanzig Prozent im Jahr". Im kommenden Jahr möchte
Books on Demand in Deutschland zumindest den ersten Prototyp eines Buchautomaten
aufstellen, an dem man sich dann sein Buch frisch drucken und binden lassen kann
– sofern es in der Zentrale in Norderstedt elektronisch gespeichert ist.

Die Elektronik erschließe dem Buch ganz neue Dimensionen, sagte Gottfried
Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Hagenmüller
weist darauf hin, dass dank der technischen Möglichkeiten viel mehr Titel
lieferbar sein werden als heute, von kleinsten Auflagen bis zu einem einzigen
Exemplar. "Vergriffen" oder "ausverkauft" gebe es dann nicht mehr. Jedes einmal
elektronisch erfasste Buch sei künftig jederzeit und überall verfügbar. Ob es
dann den Buchhandel in seiner heutigen Form noch gibt, vermag heute niemand zu
sagen. Zunächst einmal bescheren ihm die Lesegeräte für elektronische Bücher
einen weiteren Umsatzschub über die jetzigen 9,5 Milliarden Euro hinaus. 

 
 
Fragebogen

Bernard-Henri Lévy
Philosoph und Schriftsteller
 
 

Fragebogen
Gerade ist in Frankreich die E-Mail-Korrespondenz erschienen, "Ennemis
Publics", die Bernard-Henri Lévy mit Michel Houellebecq geführt hat und in der
sich die Autoren die ganz großen Fragen stellten: "Warum sind Sie ein
engagierter Intellektueller?", "Glauben Sie an Gott?", "Fühlen Sie sich als
französischer Staatsbürger Ihrem Land verpflichtet?"

 

Bernard-Henri Lévy wurde 1948 als Sohn einer jüdischen Industriellenfamilie in
Béni Saf, Algerien, geboren und wuchs in Paris auf. Er war Schüler von Jacques
Derrida, Louis Althusser und Jacques Lacan und schloss sich 1972 im ostindischen
Kalkutta den internationalen Brigaden im Kampf für Bangladesch an. Zurück in
Frankreich, machte er als Schriftsteller und Vertreter der "Neuen Philosophie"
Karriere. Er verabschiedete sich vom philosophischen Utopismus und entwickelte
in seiner Kritik am Totalitarismus eine Gegnerschaft zum politischen Engagement
nach dem Vorbild Jean-Paul Sartres.

Seine Einmischung ins "Politische" hat er in Filmen, Reportagen und Büchern
seither immer wieder vorgeführt. Medienwirksam und kontrovers diskutiert, setzt
er sich in aller Welt für Menschenrechte ein. Zuletzt reiste Bernard-Henri Lévy
während der Unruhen im August nach Georgien.

 

JULIA ENCKE

 

Was ist für Sie das größte Unglück?  Die Abwesenheit von
Begehren.

 

Wo möchten Sie leben?  Paris, Neapel, Jerusalem.

 

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?  Die Frage
verstehe ich nicht.

 

Welche Fehler können Sie nicht verzeihen?  Verherrlichung
von Verbrechen.

 

Ihre liebste Comic-Figur?  Dieselbe wie die von General de
Gaulle: Tim aus "Tim und Struppi".

 

Ihre meistgehasste Sendung im Fernsehen?  Ich sehe wenig
fern.


Ihre Lieblingsheldinnen in der Dichtung?
  Die
Protagonistinnen bei Stendhal.

 

Weshalb überhaupt Gedichte lesen?  Aus Geschmack am
Metaphysischen.

 

Wann haben Sie sich zuletzt selbst gegoogelt?  Heute Morgen.

 

Welche Kunstausstellung haben Sie zuletzt besucht?  Jacques
Martinez, Galerie Benamou, Rue du Faubourg Saint-Honoré,
Paris.

 

Auf die Musik welches Komponisten können Sie am ehesten
verzichten?
  Ich höre nie Musik.

 

Welche Eigenschaft schätzen Sie an sich selbst am meisten?
Meine Ausdauer.

Welche der sieben Todsünden wird überschätzt?  Die Wollust.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?  Das hängt von Tagen und
Stunden ab.

 

Mit welcher literarischen Figur können Sie sich
identifizieren?
  Mit Herrn Ill in Friedrich Dürrenmatts "Der
Besuch der alten Dame".

 

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?  Loyalität.

 

Ihre größte Leistung?  Meine Bücher.

 

Welchen Lebenstraum haben Sie aufgegeben?  Keinen.

 

Wofür haben Sie sich zuletzt entschuldigt?  Unnötige Wut.

 

Ihr Lieblingswort?  Das hängt von Sätzen und Büchern ab.

 

Was macht Sie nervös?  Dummheit.

 

Worauf können Sie verzichten?  Schlafen.

 

Welchen Roman der Weltliteratur haben Sie nicht zu Ende
gelesen?
  "Zeno Cosini" von Italo Svevo.

 

Welchen Roman hätten Sie gern angeregt?  Ich habe das Glück,
den Roman "Ce que nous avons eu de meilleur" von Jean-Paul
Enthoven zum Teil angeregt zu haben.

 

Sind Sie ein Gegner oder Befürworter der neuen E-Books?  Das
weiß ich noch nicht.

 

Wen würden Sie gern einmal wiedersehen?  Meine Mutter.

 

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Unsterblichkeit.

 

Wie möchten Sie sterben?  Langsam, bei vollem Bewusstsein.

 

Und dann?  Wir werden sehen.
 

 
 
Die Wundertüte aus Seattle


Alle reden davon, aber keiner hat es: Kindle verspricht vieles, nicht nur
Entlastung für Rücken und Wände. Aber was taugt es wirklich? Ein Unbestechlicher
hat es für uns getestet.

 

Von Hans Magnus Enzensberger

 

Es kann gar nicht genug Geräte geben. Reichtum ist nämlich, wie Aristoteles
sagt, nichts weiter als eine Ansammlung von Werkzeugen zur Führung eines
Haushaltes. Solche Prothesen haben allerdings die Tendenz, sich wie Fliegen zu
vermehren. Kaum piepst der Wecker, schon rülpst die Kaffeemaschine, das
Frühstücksfernsehen zwitschert, und der Toaster glüht. Wer würde das Haus
verlassen ohne Mobiltelefon, Rechner, Digitalkamera, Blackberry, iPod,
Playstation und Navigationssystem? So gegürtet wie ein japanischer Tourist,
sieht man froh dem neuen Tag entgegen.

Kein Wunder also, dass eine tüchtige Industrie uns fortwährend neue Apparate
beschert. Sie sind ja derart praktisch! Besonders jüngere Personen, sagen wir:
unter dreißig, gehen so mühelos mit ihnen um, als hätte eine gute Fee sie ihnen
in die Wiege gelegt. Mögen andere sich durch dickleibige Betriebsanleitungen
quälen – sie brauchen solche Notbehelfe nicht. Plug and play ist ihre Devise. Je
neuer das Medium, desto müheloser sein Gebrauch.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Kunst der Programmierer auch der
archaischen Kulturtechnik des Lesens Beine machte. Mobil, drahtlos, flexibel
kommt ihr Produkt daher. Seine Vorzüge liegen auf der Hand. Gewicht: dreihundert
Gramm, Speicherplatz 256 MB (aufrüstbar); 170 000 Bücher und alle möglichen
Zeitungen und Zeitschriften lassen sich jederzeit abrufen; eine Suchmaschine,
ein Wörterbuch und einen Lautsprecher gibt es als Dreingabe; außerdem kann man
mit dem Gerät nach Herzenslust Musik hören, bloggen und mailen. Das Ding passt
in eine Manteltasche und trägt den Namen Kindle®, was im Deutschen heimelig
klingt wie ein Kosewort für das Baby.

Bewundernswert ist auch das Geschäftsmodell der Firma Amazon, der wir diesen
Gegenstand aus grauem Kunststoff verdanken. Wer es zum Preis von 359 Dollar
erworben hat, gehört fortan zum Kundenkreis dieses Unternehmens, das ihn so
leicht nicht mehr aus den Klauen lassen wird. Ohne Registrierung und Passwort
kommt keiner davon, der sich mit ihm einlässt. Dafür, dass sich keinerlei
Konkurrenz auf dem Maschinchen tummeln darf, ist gesorgt, so dass mit der Treue
des Käufers gerechnet werden kann. Bitte melden Sie Ihre Kreditkarte an! Dann
stehen Ihnen nicht nur der Kindle® Store und die Kindle® Storefront, sondern
auch die Kindle® Top Sellers jederzeit zur Verfügung. Amazon weiß auch, was gut
für Sie ist, merkt sich, was Sie gelesen haben, und berät Sie unaufgefordert
beim Kaufen und beim Abonnieren. Die Amazon 1-Click Payment Method sorgt dafür,
dass das Bezahlen leichter denn je von der Hand geht.

Seit diese unerhört günstige Form des Shoppings, zumindest in den Vereinigten
Staaten von Amerika, von sich reden macht, ist in Verlegerkreisen eine gewisse
Nervosität zu spüren. Obwohl früheren Versuchen, elektronische Bücher auf den
Markt zu bringen, wie beispielsweise dem Rocket eBook von 1999, ein trauriges
Ende beschieden war, fürchten sie, dass große Konzerne wie Amazon oder Sony
diesmal mehr Glück haben und sich auf längere Sicht große Stücke aus dem Kuchen
schneiden werden; die sogenannten "Analysten" träumen bereits von fünfzehn bis
zwanzig Prozent des Umsatzes an ihrem Content. So heißen bei Amazon Musikstücke,
Texte, Bilder und Filme. Wer einen Kindle® besitzt, kann einen neuen Bestseller
für zehn statt für achtzehn Dollar lesen. Amazon muss dem Buchverleger bislang
pro Download ungefähr die Hälfte als Lizenzgebühr zahlen. Aber warum eigentlich?
Wenn das Kindle®-Kalkül aufgeht, wird der Konzern auf die Dienste der Verleger
entweder ganz verzichten oder ihnen Konditionen diktieren, die sie erbleichen
lassen. Oder er verhandelt direkt mit den Autoren oder ihren Agenten.

Auch die werden sich allerdings kaum mit einer Kalkulation abfinden, die ganz
offensichtlich darauf hinausläuft, sie über den Tisch zu ziehen. Denn beim
elektronischen Buch entfallen die Herstellungskosten für Papier, Druck und
Bindung und der Lagerhaltung. Handelsvertreter werden nicht mehr benötigt, und
der Löwenanteil des Vertriebs verdunstet. Natürlich möchten alle Rechteverwerter
gerne an dem bisher üblichen Honoraranteil von zwölf bis fünfzehn Prozent
festhalten und die Differenz in die eigene Tasche stecken. Ob sie das
durchsetzen können, steht dahin.

Über solche Verteilungskämpfe hinaus stellt sich die Frage, ob das Urheberrecht,
eine kaum zweihundert Jahre alte Idee, das elektronische Zeitalter überleben
wird. Jüngeren Generationen ist zwar bekannt, dass es Klamotten, Hamburger und
Joints normalerweise nicht gratis gibt; sie sehen aber nicht ein, warum sie für
Lieder, für Zeitungen oder gar für Bücher zahlen sollen. (Darin werden sie von
vielen Medienwissenschaftlern bestärkt, die allerdings nur ungern auf ihre
Gehälter und Pensionen verzichten würden.)

Solche Überlegungen scheren allerdings den Verbraucher, besser gesagt, den User
wenig. Er wird an seinem Kindle® ganz andere Kleinigkeiten auszusetzen haben.
Vielleicht missfallen ihm die winzigen, nur für Liliputaner geeigneten
Eingabetasten; vielleicht stört ihn das löchrige Satzbild, das umständliche
Aufsuchen von Seitenzahlen oder das Fehlen von Funktionen wie Bild auf, Bild ab,
Seitenlauf und Rücktaste, die er von seinem Rechner gewohnt ist. Aber das sind
Kinderkrankheiten, und gewiss werden wir uns auf verbesserte Versionen dieser
Wundertüte freuen können.

Wie gut, dass wir nie wieder schwere Lexika, unhandliche Gesamtausgaben und
mehrbändige Romane mit uns an den Strand oder auf den Golfplatz schleppen
müssen! Und wie schwer war es doch, sich in einer Buchhandlung zu orientieren!
Das ist nun nicht mehr nötig; denn Amazon weiß, was uns frommt. Auch können wir
die Bücherregale entbehren, die so viel Platz an unseren Wänden in Anspruch
nehmen, und dafür einen 42-Zoll-Flachbildschirm aufhängen oder ein riesiges
Kunstwerk aus der neuesten Art-Basel-Kollektion.

Wehklagen über den Stand der Dinge wäre vergeblich. Dennoch erlauben wir uns zum
Schluss, ein paar Kleinigkeiten zu erwähnen. Als Betriebssystem ist das Buch
schwer zu toppen. Es braucht keine Batterie und keine Antenne. Man kann darin
blättern, man kann es verschenken oder wegschmeißen. Es ist auf keinen
Monopolisten angewiesen. Sein Betriebssystem hält sich seit Jahrhunderten; es
veraltet nicht innerhalb von zehn Jahren. Bücher kann man anfassen. Sie liegen
angenehm in der Hand. Wir bitten um Nachsicht für Leser, die das lässiger finden
als eine Plastikschachtel.

 

 

 


Leider gibt es noch keine Kommentare Schreib den ersten!
Kommentar schreiben

Folge buecher.de bei Twitter