Buchmesse Frankfurt 2008 – FAZ Messezeitung Tag 2

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Die Macht der Verlags-Scouts wird immer größer. Auch in Europa organisieren

sie sich jetzt in Büros. Wir haben vier von ihnen getroffen.

Von Julia Encke

Sie sind die Spürnasen der Verlage im Ausland, lesebesessene Informanten, die

wissen, über wen man wo gerade redet. Macht das Gerücht die Runde, dass ein

bisher völlig unbekannter Autor aus Frankreich, Italien, aus Südamerika oder den

Vereinigten Staaten gerade einen aufregenden Roman geschrieben habe, sind sie

die Ersten, die sich dieses Manuskript besorgen, es in weniger als einem Tag

lesen und entscheiden, ob sie dem Verlag, für den sie arbeiten, empfehlen, die

Rechte an diesem Buch zu kaufen. Sie nennen sich Scouts und sind, trotz

männlicher Berufsbezeichnung, fast alles Frauen: Jägerinnen der Bücher von

morgen.

„Man muss es sich ein bisschen so vorstellen wie in der Mode“, sagt Verena von

der Heyden-Rynsch, die für den Klett Verlag in Paris nach Manuskripten Ausschau

hält: „Wir sind immer schon eine Saison weiter.“ Heyden-Rynsch gehört zu den

Grandes Dames der Verlagsscouts. Seit Jahrzehnten ist sie im Geschäft, unterhält

in Paris die allerbesten Beziehungen. Und wenn man verstehen will, in welcher

Weise sich der Beruf des Scouts verändert hat, inwiefern Scouts immer mächtiger

werden und große internationale Bucherfolge ohne sie kaum noch möglich sind,

dann muss man bei diesen Grandes Dames anfangen: Bei Heyden-Rynsch, die, mit

ihrer eleganten Erscheinung und der getönten Brille, ihren Beruf als Beitrag zur

„Völkerverständigung“ begreift. Oder bei der legendären Michi Strausfeld, die

1973, als junge Hispanistin, den Verleger Siegfried Unseld kennenlernte, ihm

eine Liste der wichtigsten unübersetzten Werke aus Lateinamerika übergab und für

die literarische Entdeckung eines ganzen Kontinents sorgte.

Die Grandes Dames unter den Scouts arbeiten exklusiv für einen einzigen Verlag –

Michi Strausfeld nach langen Jahren bei Suhrkamp, wo sie im vergangenen Dezember

kündigte, neuerdings für den S. Fischer Verlag. „Wir sind Einzelgängerinnen“,

sagt Heyden-Rynsch. „Wir können nichts delegieren, müssen, als Vorposten des

Verlags, alles selber prüfen.“ Doch sieht das in Amerika oder Großbritannien

völlig anders aus: Maria Campbell, die Anfang der achtziger Jahre in New York

ein Scout-Büro gründete, hat mittlerweile acht Mitarbeiter und empfiehlt

englischsprachige Bücher und Manuskripte an dreizehn Verlagskunden aus

verschiedenen Ländern (grundsätzlich können Scouts immer nur für einen Verlag

pro Land tätig sein), darunter ganze Verlagsgruppen wie Random House Mondadori

in Spanien oder Veen Bosch & Keuning in den Niederlanden. Wöchentlich werden

„Reports“ verschickt, die geplante Neuerscheinungen ankündigen. Es ist Beratung

in ganz großem Stil, die einen entscheidenden Macht-Effekt mit sich bringt: Je

mehr Verlagskunden ein Scout-Büro hat, desto größer ist die Möglichkeit, ein

einziges Buch mit einem Schlag weltweit bekannt zu machen. „Gibst du mir dein

Manuskript“, können global agierende Scouts zu Verlegern oder Literaturagenten

sagen, „dann empfehle ich es acht meiner dreizehn Kunden in verschiedenen

Ländern.“ Wenn alles gut läuft, kommt es so zum internationalen Coup.

Carmen Pinilla sitzt, kurz vor der Messe, im Literaturhauscafé in München und

redet wie ein Wasserfall. Die 47-jährige Spanierin pendelt zwischen München und

Barcelona, und sie hat gerade die Seiten gewechselt: Jahrelang hat sie für die

Literaturagentur von Carmen Balcells gearbeitet und Bücher an Verlage verkauft;

jetzt vermittelt sie als Scout Auslandslizenzen, darunter, als Nachfolgerin von

Michi Strausfeld, an Suhrkamp: „Michi Strausfeld war bei Suhrkamp mehr als ein

Scout. Sie war zugleich Beraterin und verantwortlich für das spanisch- und

portugiesischsprachige Programm. Ich beschränke mich ganz auf die Scout-Arbeit,

nicht allein, sondern zusammen mit meinem jüngeren Kollegen Daniel Aragó in

Barcelona, mit dem ich im April mein neues Büro gegründet habe. Wir suchen nicht

nur nach Büchern für Suhrkamp, sondern auch noch für einen Verlag in Holland, in

Griechenland, in Italien und in Amerika.“

Die Büros nach amerikanischem Modell kommen allmählich also auch nach Europa.

Das ist die Entwicklung, die sich abzeichnet und mit der mehr Komplexität und

Adrenalin ins Spiel kommt. Denn die Scouts der jungen Generation sind

Getriebene, die nicht nur schnell lesen, schnell denken, schnell entscheiden,

sondern untereinander zu immer schärferen Konkurrenten werden.

Nehmen wir als Beispiel Frankreich: Dort findet das große Verlagsgeschäft,

traditionell zentralisiert, in Paris statt, weshalb Scouts, die französische

Belletristik und Sachbücher an ausländische Verlage vermitteln, natürlich auch

alle in Paris wohnen. Täglich treffen sie sich mit Autoren, Verlegern, Lektoren

und Rechte-Managern zum Mittagessen, weil man in Paris nun mal regelmäßig und

ausgiebig zu Mittag isst. „Gibt es etwas Neues? Ein neues Buch? Einen neuen

Autor? Ein besonders ,heißes‘ Manuskript?“, fragen sie. Oder sie informieren

sich, ob ein Autor, was immer öfter vorkommt, den Verlag wechseln will. Nur so

können sie zur rechten Zeit an anderer Stelle vor Ort sein.

Wer die besten Kontakte hat, einen guten Ruf und dann auch noch zuerst da ist,

ist die Königin: „Ich liebe die kompetitive Seite dieses Berufs, den Kick. Wir

führen, wenn wir für dieselben Länder ,scouten‘, wirklich eine Art Krieg

gegeneinander“, sagt die 41-jährige Italienerin Cristina di Stefano, die von

Paris aus französische Bücher unter anderem für Random House in Deutschland

anwirbt. Jemanden wie Verena von der Heyden-Rynsch würde eine solche Kampfansage

sicher wehmütig stimmen: „Früher waren die Scouts in Frankreich untereinander

befreundet“, erinnert sich Heyden-Rynsch und lacht über sich selbst, weil sie

fast schon wie eine Großmutter klinge. „Als ich vor dreißig Jahren anfing, gab

es in Paris einen gebildeten schwedischen Herrn vom Suhrkamp Verlag, der mir

sehr geholfen hat. Und es gab die unvergessliche Melsene Timsit, die für Hanser

arbeitete und mich gewissermaßen in die Arbeit eingewiesen hat. Wir waren

Konkurrenten, aber sehr solidarisch. Nur wenn wir für unsere Verlage die

gleichen Bücher wollten, haben wir geschwiegen. Diese Solidarität geht immer

mehr verloren. Wir kennen uns, aber wir sehen uns selten.“

Scouts können nicht einfach nach den Büchern suchen, die sie selber gut finden.

Sie müssen – und darin besteht die eigentliche Herausforderung – das Profil und

Programm der Verlage im Kopf haben, denen sie verpflichtet sind. Das neue Buch

muss zu diesem Profil passen oder es erweitern. Und das ist, solange man nur für

einen Verlag unterwegs ist, sicher kein so großes Problem. Wenn aber Carmen

Pinilla für Suhrkamp nach spanischsprachigen Romanen sucht, dem griechischen

Verlag Patakis spanische Sachbücher offeriert, weil die Griechen im Moment das

Sachbuch entdeckt haben, und Mondadori in Italien wieder ganz andere spanische

Wünsche hat, ist Multitasking gefragt. Vielleicht, spekulieren manche, sei das

der Grund, warum Scouts so oft weiblich sind. Man müsse sich immerzu in die

Begehrlichkeiten anderer hineinversetzen und diese kommunizieren, und für

Empathie und Kommunikation hätten Frauen eben ein größeres Talent als Männer.

Möglicherweise ist man da aber schon wieder beim Klischee.

„Man muss sich vor allem auf seine Informationsquellen verlassen und diese gut

einschätzen können“, sagt Viktoria von Schirach, die seit Jahren in Rom lebt und

italienische Bücher für sämtliche Verlage bei Random House Deutschland anwirbt.

Schirach gehört zu den Scouts, die auch in die finanziellen Verhandlungen

eingebunden sind, was nicht immer der Fall ist. Normalerweise kassiert ein Scout

ein mit den Verlagen vereinbartes Monatshonorar, das nicht erfolgsgebunden ist.

Wird ein Buch zum Bestseller, kann es, je nach Vertragslage, Erfolgsprämien

geben.

„Es gab auf der Frankfurter Messe einmal ein Buch, das ich für einen Verlag

unbedingt haben wollte. Es passte perfekt zum Programm, und so schlug ich der

Agentin in Absprache mit dem Verlag ein ,preempt‘ vor, eine hohe Summe, mit der

der Titel vom Markt genommen werden soll“, erzählt Schirach. „Der Agentin war

das Angebot zu niedrig, also zogen wir es zurück, fingen mit einer kleinen Summe

ganz normal an zu bieten. Wenn sie nicht zur großen Verlags-Messe-Party

eingeladen sei, bekämen wir das Buch sowieso nicht, drohte die Agentin und

behauptete, inzwischen ein hohes Angebot von einem zweiten Verlag zu haben.

Glücklich saß sie später an der Sushi-Theke der Party, den abgeschlossenen

Vertrag mit Random House in der Tasche. Das andere Angebot hatte es, wie sich

später herausstellte, nie gegeben. Sie hatte es frei erfunden.“

So zweifelhafte Methoden sprechen sich natürlich herum. Die Buchindustrie, in

der sich Verlagsscouts mit größer werdenden Netzwerken von intellektuellen

Einzelgängern allmählich in weltweit agierende Büros verwandeln, ist am Ende

eine große Familie. Jeder kennt jeden. Spätestens jetzt, auf der Messe, läuft

man sich ganz bestimmt über den Weg. In den Hallen spinnen die Scouts weiter

ihre Netze.

abfahrt

das bett am fenster, die fahrt

ins holz, immer leiser

schalten & schlafen: jeder

traum beginnt bergauf, am zaun

zur straße, wo

jemand hockt wie du, wo

feuchter mohn mit seinen

kapseln auf den ohren klebt, wo oben

schon ergraute ränder an

den blüten… blatt

für blatt wird eingelegt

& unbeschrieben abgeweht.

ohne ton, so

sangen wir. und haben noch im dunkeln

die augen zugemacht

Der große Graben

Michael Jürgs macht Erfahrungen mit der Wiedervereinigung

Michael Jürgs ist ein umtriebiger und fleißiger Rechercheur. Der ehemalige

„Stern“-Chefredakteur hat sich zu einem der profiliertesten deutschen

Sachbuchautoren entwickelt. Sein Themennäschen hat er aus dem Journalismus

mitgenommen. Vor wenigen Wochen ist bei C. Bertelsmann sein Buch erschienen:

Wie geht’s Deutschland„. Ein Jahr vor dem zwanzigjährigen Jubiläum des

Mauerfalls zieht Jürgs eine facettenreiche Bilanz. Aber nebenbei erteilt ihm das

Land selbst eine Lektion im Fach „Wie deute ich Geschichte?“. Jürgs macht eine

Erfahrung, die unmittelbar mit seinem Buch zu tun hat – nur anders herum. Denn

Deutschland scheint beim Thema Wiedervereinigung nicht in Ost und West, sondern

in Nord und Süd getrennt zu sein. Eine Lesereise mit 23 Stationen, die unlängst

begonnen hat und bis Anfang Dezember andauert, führt Jürgs nur in eine

süddeutsche Stadt – ins schwäbische Sindelfingen.

Nun hat Jürgs zwar keine neue Mauer, wohl aber einen „Graben im Kopf“

ausgemacht: Zumal im Freistaat Bayern interessiere sich „kein Mensch“ für die

deutsche Einheit. Der Bayerische Runfunk, immerhin eine der größten

ARD-Anstalten, habe kein Interesse an einem Interview gezeigt, auch kein

Privatsender aus dem Süden. Jürgs sagt das ohne Larmoyanz. Ganz anders fielen

dagegen die Reaktionen im Osten und im Westen aus: „Die Leute im Ruhrgebiet

interessieren sich plötzlich für die Lage im Osten, weil es ihnen selbst so

schlecht geht.“ In Gelsenkirchen – Arbeitslosenquote achtzehn Prozent -, das mit

Cottbus eine Partnerstadt im Osten hat, habe er bei seiner Lesung viel

Verständnis vorgefunden, aber keine Sympathie. „Die Menschen dort sehen nicht

ein, warum sie Solidaritätzuschlag bis 2019 zahlen sollen.“ Eine beliebte Frage

bei Lesungen sei, wann der Prozess der Wiedervereinigung wohl abgeschlossen sein

werde. Darauf antworte Michael Jürgs nach eigener Aussage immer bündig: „Wenn

Sie nicht mehr danach fragen.“

Messefluchten

Im Museum für Komische Kunst

Von Konstanze Crüwell

Zum Glück führt mein Weg oft an Caricatura, dem neuen Museum für Komische Kunst

im gotischen Leinwandhaus vorbei. Gleich am Eingang weist Hans Traxlers

prachtvolle Elch-Skulptur auf die Neue Frankfurter Schule hin, die hier ein

würdiges Domizil erhalten hat. Ich liebe dieses Museum, in dem oft leises und

lautes Lachen zu hören ist. Und ich liebe die weltweisen, menschenfreundlichen

und hochkomischen Bilder des viel zu früh gestorbenen Bernd Pfarr, dem die erste

Sonderausstellung gewidmet ist. „Herr Borsig hatte in seinem Leben vieles falsch

gemacht. Er beschloss daher, noch einmal ganz von vorn anzufangen“ steht unter

dem Bildnis eines älteren Herrn, der mit Bauklötzchen spielt. Was an G.B. Shaws

unerfüllbaren Wunsch erinnert, die Entscheidung für Beruf und Ehepartner im

Alter treffen zu können, erst dann habe man die Übersicht. Dann wandere ich in

den zweiten Stock, wo F.W. Bernstein, Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, Hans

Traxler und F.K. Waechter mit wechselnden Zeichnungen präsent sind. Das deutsche

Wohnmobil in der Wüste bei Timbuktu mit der klassischen Gattin, die einen

Eingeborenen fragt: „Avez-vous des Staubsaugerfilterbeutel?“ möchte ich hier

aber immer sehen.

Caricatura am Weckmarkt 17 ist von der Messe mit der U 4 schnell zu erreichen.

Geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr.

Ein Tag im Leben von Franz Müntefering

Aufreibende Politik

Das Sprichwort ist sein liebstes Mittel, um ohne „äh“ und „och“ auf Fragen

zu antworten, und im Sprichwort erzeugt Reibung eben immer Wärme. „Haben Sie

Kurt Becks Buch gelesen?“, fragt einer aus der Zuhörermenge am Spiegelstand.

„Nein“, sagt Franz Müntefering, „aber ich weiß auch nicht, ob er meines gelesen

hat.“ So ist das in der Politik: Quid pro quo! Münterfering will gerade

verschwinden, da laufen fünf aufgebrachte Mädchen auf ihn zu: „Wir kommen aus

Konstanz, kennen Sie das?“, fragt eines der wild auftoupierten Mädchen, die sich

nun alle kichernd eng um Müntefering scharen. Auch hier: Es entsteht Wärme durch

Reibung. Er wohne ja in Bonn, sagt der Eingekreiste beinahe etwas erschrocken

vor so viel Jugend, und dann hat er die Mädchen in seinen Armen und posiert für

den Fotografen: der letzte Gentleman der amtierenden Sozialdemokratie.

Der Ort des Geschehens: 14.30 Uhr B.I.T.-Sofa

Wir sind nicht tot!

Schon nach zehn Minuten fragt man sich, worin eigentlich das Problem

besteht, wenn soviel Einigkeit herrscht. „Sind herkömmliche Bibliotheken tot?“,

lautete die Frage. Und vier Bibliotheksmenschen antworteten unisono: Nein! Nur

der Moderator wollte das nicht recht glauben. „Aber ihr Kerngeschäft sind doch

die Bücher“, wandte er ein. Nein, unsere Aufgabe ist die Vermittlung von

Information – ob auf Papier oder im Netz spielt längst keine Rolle mehr. Die

Öffentlichkeit mag es noch nicht bemerkt haben, aber die Zukunft heißt

„Onleihe“: digitalisierte Bücher, Hörbücher und Filme werden im Netz aus

geliehen und heruntergeladen. So bekommt jede Bibliothek eine virtuelle

Zweigstelle. Die meisten öffentlichen Bibliotheken tun sich zwar schwer, Geld

für den Aufbau des digitalen Angebots frei zu machen. Aber die Branche kämpft

seit langem für Bibliotheksgesetze in den Ländern, die ihre Existenz garantieren

sollen. Man sollte indes nicht versäumen, auch die Öffentlichkeit rechtzeitig

über den Imagewandel zu informieren.

Leopold Engleitner, ältester Buchmessenteilnehmer

Mit 103 zu Scherzen aufgelegt

Der älteste Buchmessenteilnehmer war auch der unterhaltsamste: Leopold

Engleitner, geboren 1905 in Österreich, gar nicht so weit entfernt von Adolf

Hitler, hat als sogenannter Bibelforscher wegen Kriegsdienstverweigerung drei

Konzentrationslager überlebt und saß da nun, Trachtenjanker, rosa Krawatte,

Rollstuhl, und erzählte Witze aus der Kaiserzeit. Fragt der k.u.k. Oberlehrer:

Warum ist der Globus so schief? Weil die Kunde von der geneigten Erdachse 1911,

als Engleitner in die Schule kam, noch nicht bis nach Oberösterreich gedrungen

war. Bernhard Rammerstorfer, Engleitners Kleinverleger, moderiert und übersetzt

einfühlsam: „Erzähl noch mal: Was hast du 1914 in den Wagen von Kaiser Wilhelm

geworfen?“ Kurzes Atemanhalten. Ach so: Blumen natürlich. Alter Pazifist!

Norlas Welt

Norwegische Autoren werden vom Staat besonders gefördert / Von Matthias

Hannemann

Als Max Tau 1950 mit dem ersten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

geehrt wurde, glaubte der Verleger und Emigrant, der den Deutschen einst die

norwegischen Autoren nahegebracht hatte, der Austausch von Literatur könne die

Nationen befrieden. Das klang wunderbar, ist aber bis heute nicht einfach. Am

Ende steht in den Regalen eben doch meist, was laut ist oder auf dem

englischsprachigen Markt erfolgreich. Und gäbe es nicht Frauen wie Gina Winje

und Einrichtungen wie das von ihr geleitete Büro Norla, das kenntnisreich und

mit staatlichen Mitteln die Marktchancen norwegischer Literatur aufzubessern

versucht, stünde es um die Vielfalt der internationalen Bestseller-Listen wohl

schlimmer.

„Sie glauben gar nicht, wie sehr englische Titel und die Kommerzialisierung den

Markt verengen.“ Wir treffen Winje in Oslo. In den Cafés am Frognerveien werden

Stühle unter die Wärmelampen gezogen. Lars Saabye Christensen, einer der

wichtigsten Schriftsteller des Landes, wohnt nicht weit und stößt zu uns. Ohne

Norla, sagt er, das Kürzel steht für „Norwegische Literatur im Ausland“, gäbe es

außerhalb Skandinaviens weder ihn noch die meisten seiner Kollegen.

Natürlich stapelt er tief. Aber es stimmt, dass Norwegen alle Hebel in Bewegung

setzt, um seinen Autoren den Eintritt in den Buchmarkt zu ermöglichen. So

erwirbt das Land auf Staatskosten von jedem Buch garantiert tausend Stück für

die Bibliotheken. Im Ausland wirkt Norla: Das Büro gibt Zuschüsse für

Übersetzungen, es finanziert Lesereisen und Seminare für Schriftsteller,

Übersetzer und Lektoren, und es präsentiert Neuerscheinungen auf den Messen.

Norla ist der wichtigste Anlaufpunkt für ausländische Lektoren. „Wir sind keine

Agentur und keine Scouts“, betont Winje, „aber wir übernehmen Funktionen, für

die ausländische Verlage, wenn es um die Literatur größerer Sprachgemeinschaften

geht, eigene Fachleute und Netzwerke haben.“

Als Tochter eines Kleist-Übersetzers und langjährige Aschehoug-Mitarbeiterin

kennt sie das Geschäft. Ihr Fachwissen schätzt man im Ausland vielleicht mehr

noch als die Überweisungsträger. „Wir können nicht verlangen, dass alle

Norwegisch lernen“, weiß Winje. Aber man könne die wenigen Übersetzer fördern,

vernetzen und den Verlagen bis zu fünfzig Prozent der Übersetzungskosten

abnehmen: „Ruft ein gutes Buch Interesse hervor, können wir dem Glück auf die

Sprünge helfen.“

In Zeiten harter Kalkulationen scheint es anders kaum zu gehen. Man muss nur in

den Werken von Jan Kjærstad, Øivind Hånes oder Per Petterson blättern, um daran

erinnert zu werden. Oder mit Friedberg Stohner vom Verlag Hanser sprechen. Der

hatte einst von dem Kinderbuch eines Philosophen gehört. Bei Norla reagierte man

„aufmunternd“. An den Übersetzungskosten solle das Projekt doch nicht scheitern.

Norla übernahm fast die Hälfte der Übersetzungskosten für „Sofies Welt“. Sie

betrugen 17 250 Mark. Heute ist das Buch in 55 Sprachen übersetzt. „Für uns

Norweger“, sagt uns Jostein Gaarder im Gespräch, „ist Deutschland die Brücke in

die Welt. Die Angelsachsen übersetzen kaum, und Deutsch lesen Lektoren

weltweit.“ Hinzu komme, so Gaarder, ein weiterer Effekt: Im Windschatten eines

Bestseller-Autors können auch weniger bekannte das Ausland erreichen. Von 314

Anträgen auf Übersetzungshilfe wurden letztes Jahr 284 bewilligt. Eine stolze

Bilanz für Winje, ihr kleines Team und die Fachjury, die Norla berät.

Im Ausland fragen sie mich oft, sagt Lars Saabye Christensen, „ob das Modell

nicht nah an der Planwirtschaft sei.“ Er findet, die Förderung für kleine Länder

sei wichtiger als für große. Es gehe um Chancengleichheit, um Selbstvertrauen

für die Autoren und Horizonterweiterung.“ – „Um Meinungsvielfalt!“, wirft Gina

Winje ein. Reich, sagen beide, können Norweger durch Auslandsgeschäfte ohnehin

kaum werden.

Pamuks Stimmen

Worüber ein Autor lacht

Orhan Pamuk hat eine Stimme, die es gelernt hat, über sich selbst zu

lachen. „Er hat eine Stimme“, sagt Recai Hallaç, „die immer gut ist für eine

Überraschung. Wenn er über die Welt lacht“, so Hallaç, Pamuks Dolmetscher, der

dem türkischen Schriftsteller auch bei dessen Auftritten in Frankfurt sein

melodisches Timbre leiht, „lacht er immer am meisten über sich. Pamuks Stimme

hat die Musik einer sehr ernsthaften Ironie.“

Recai Hallaç, der auch Schauspieler, Übersetzer und seit kurzem Verleger der

Berliner Edition Galata ist, steht am Stand von Hanser, wo sich Pamuk mit seiner

Übersetzerin Ingrid Iren trifft. Security im hellen Anzug, bitte keine

Interviews. Neben der PR-Agentin Angelika Wellmann, die für einen Beitrag zum

dreißigsten Geburtstag des von ihr vertretenen Literaturverlags Droschl wirbt,

sitzt der neue Hanser-Autor Norbert Gstrein und wartet im Gespräch mit der

Presse auf den Büchner-Preis. „Das gesprochene Wort ist natürlich ein Produkt,

das der Atmosphäre des jeweiligen Augenblicks entspringt“, sagt Hallaç, während

Christina Knecht, Pressesprecherin bei Hanser, Ingrid Iren und Orhan Pamuk ein

Glas Wasser bringt. Beim geschriebenen Wort, meint Hallaç, merke man indes,

„dass Orhan an jedem einzelnen Wort sehr lang gearbeitet hat. Seine literarische

Stimme ist von einer Atmosphäre, die er erst beim Schreiben für sich selbst und

mit sich selbst erschafft.“

Abends unterwegs

Essen bei Renate von Metzler in Bonames

Über Schnitzel gebeugt

Dass der Bundespräsident dann doch nicht gekommen war, fiel erst auf, als

die ersten Gäste gingen, also sehr spät. Bei Renate von Metzlers

Buchmessenempfängen spielt Prominenz keine Rolle, sie wird vorausgesetzt und im

Bedarfsfall kurzerhand verliehen. Schriftsteller wie Thomas Hettche, über Nacht

namenlos gewordene Banker, Verleger wie Michael Klett, Michael Krüger oder

Thedel von Wallmoden beugen sich mit Petra Gerster, den Fotografinnen Barbara

Klemm und Isolde Ohlbaum über die legendären Wiener Schnitzel, die hier zu jeder

Buchmesse gereicht werden. Ein solches gesetztes Essen im feierlich-zwanglosen

Rahmen, entspannt und kultiviert, gibt es auf der Buchmesse kein zweites Mal.

Eines der Gesprächsthemen des Abends war die Frage, warum die Verlegerin Tanja

Graf ab und an verstohlen eine kleine Digitalkamera aus der Handtasche zog. Die

Leser dieser Buchmessenzeitung werden es bald erfahren.

Random House macht „Feier-Abend“

Eine geruhsame Nacht, dann!

Alles orange. Das kann schnell auf das Denkvermögen schlagen, muss Wickert

gedacht haben. Ulrich Wickert, Sie erinnern sich? Der Herr am Eingang der Random

House Party in der Bockenheimer Warte erinnerte sich nicht. Wie er denn

überhaupt heiße, trat er dem Krimis schreibenden Pensionisten in den Weg. Der

nahm es sportlich. Auf den Kissen, die überall im Depot verstreut lagen, hatten

sie „Feier-Abend“ gedruckt. Eben. Eine geruhsame Nacht, dann. Irgendwann.

F.A.Z.-Diksussion in der Universität, 19 Uhr

Hans-Ulrich Wehler kam, sah und kämpfte

Wochenlang hat die Lesesaalschlacht im Internet getobt – gestern Abend ging

sie in einem Hörsaal gesittet zu Ende. Die F.A.Z. hatte zu einer

Podiumsdiskussion über Hans-Ulrich Wehlers „Deutsche Gesellschaftsgeschichte“ in

die Frankfurter Universität geladen. Statt Lachs und Champagner gab es auf der

intellektuellen Party Theorie und Geschichte satt. Der 77 Jahre alte Bielefelder

Historiker war gekommen, um seinen jüngst erschienenen und heftig umstrittenen

fünften und letzten Band gegen alle Attacken zu verteidigen. Schützenhilfe

erhielt er vom Soziologen Heinz Bude, der die beklemmende Aktualität Wehlers

verteidigte: Alles Gerede und Geforsche über Kultur und Markt habe nur von

unseren Problemzonen abgelenkt. Die Gesellschaft mit ihrer sozialen Ungleichheit

bleibe das Feld, auf dem unsere Kämpfe ausgetragen würden. Die Gegenwart war im

Hörsaal übermächtig: „Dass ich Bush junior noch als Verstaatlicher erlebe, hätte

ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet“, rief Klaus Harpprecht.

Wolfgang Clement rauscht vorbei

Merz? Krise? Find ich gut!

Herr Clement, kennen Sie Friedrich Merz‘ „Mehr Kapitalismus wagen„, das auf

der Messe vorgestellt wird?Was?

Merz hat ein Buch mit dem Titel „Mehr Kapitalismus wagen“ geschrieben.

Kenn ich nicht. Kann mir aber vorstellen, was da drinsteht.

Und wie finden Sie das, was Sie sich vorstellen, dass da drinsteht?

Find ich gut.

Bitte? Der Kapitalismus geht doch gerade unter, heißt es.

Ach, das ist doch nur modisch. Die Krise ist in einem Jahr vorbei.

Charlotte Birnbaum kocht in der Städelschule

Innereien sind nichts für Weicheier

Antiamerikanismus in der Küche – das heißt: weg vom Steak-Kult, hin zu

Alteuropas echter Küche, in der das ganze Tier, wenn es schon einmal dran

glauben muss, auch respektiert wird. Mit allem, was es zu bieten hat: Herz,

Leber, Hirn, Nieren, Bries, Kutteln und Lunge. Charlotte Birnbaum stellte in der

Städelschule ihr Buch „Die innere Reise“ vor. Die Autorin stammt nicht, wie man

vermuten könnte, aus der Gegend südlich der Main- oder gar Inn-Linie (wo die

Innereien nie von der Speisekarte verschwunden sind), sondern aus Schweden.

Gereicht wurden Leber-Leckerbissen, aber ihr Buch hat mehr zu bieten. Nichts für

Cholesterin-Neurotiker. Aber die Kunstwelt Frankfurts war vollzählig erschienen.

Luebbe schleust ein Nena-Album ins Regal

Gib mir die Hand, ich bau dir . . .

Pflichttermine sind grausam. Nena zum Beispiel, deren Verhältnis zur

Literatur trotz ihrer Autobiographie „Willst Du mit mir gehn?“ ungeklärt ist,

stakst so lustlos zum Luebbe-Stand hinüber, dass man Mitleid mit ihr haben will.

Und den Herren von Luebbe geht es nicht anders. Lustlos begrüßt man sich.

Lustlos erzählt Nena von einem Kinderalbum, das sie mit Mann und Kindern

aufnahm. Lustlos dröhnt ein Lied vom Band über den Stand. Aber was will man

machen? Tonträger seien der Trend, heißt es bei Luebbe. Buchhändler seien der

Trend, heißt es in der MP3-verwirrten, nach neuen Absatzmärkten suchenden

Plattenindustrie. Nenas Kinderalbum wird also auf den Vertriebswegen von Luebbe

in die Kinderbuch-Regale geschleust werden. Dort wird es immer lauter. Warum

nicht? math.

Fragebogen

Carmen Balcells

Agentin

Seit ein paar Jahren heißt es, sie befinde sich im Ruhestand, und wenn sie

darauf angesprochen wird, antwortet sie, ja, das sei richtig, sie stehe längst

nicht mehr so früh auf wie früher. Aber gelegentlich gebe es eben doch noch

Dinge im Büro, die sie dringend regeln müsse. Und dann sei sie eben da. Im Büro.

Carmen Balcells, Jahrgang 1930, ist die berühmteste literarische Agentin der

spanischsprachigen Welt. Auf ihrer Liste stehen Schriftsteller wie Gabriel

García Márquez, Mario Vargas Llosa, Juan Goytisolo und Isabel Allende. Trotz

ihrer fünfzig Jahre im Geschäft und großer Macht im Literaturbetrieb hat die

Agentur Carmen Balcells in Barcelona den häuslichen Touch behalten. Besondere

Vorsicht herrscht bei der Weitergabe persönlicher Details, sei es über das Leben

ihrer Autoren oder über die Ansichten der Agentin. Angeblich hat sie bis heute

nicht mehr als drei oder vier Interviews gegeben, und auch der Kampf um diesen

Fragebogen zog sich wochenlang hin. „Meine Arbeit“, sagt sie dazu, „findet nicht

in der Öffentlichkeit statt. Je mehr Aufmerksamkeit der Schriftsteller und sein

Verlag bekommen, desto besser.“

PAUL INGENDAAY

Was ist für Sie das größte Unglück? Jedes Unglück, das

meinem Sohn widerführe.

Wo möchten Sie leben? In meinem höheren Alter: In meinem

Heimatdorf.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück? Das

Glücklichsein in meiner Umgebung.

Welche Fehler können Sie nicht verzeihen? Jegliche Form von

Gewalt.

Ihre liebste Comic-Figur? Idefix.

Ihre meistgehasste Sendung im Fernsehen?  Ich schaue so

wenig Fernsehen, dass ich die Frage nicht beantworten kann.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Dichtung? Keine.

Weshalb überhaupt Gedichte lesen? Was für eine Frage!

Wann haben Sie sich zuletzt selbst gegoogelt? Ein einziges

Mal, vor langer Zeit, im Jahr 2000.

Welche Kunstausstellung haben Sie zuletzt besucht? Miquel

Barceló in der Galerie Maeght in Saint Paul de Vence

Auf die Musik welches Komponisten können Sie am ehesten

verzichten? Meine musikalische Bildung ist so begrenzt,

dass ich nichts dazu sagen kann.

Welche Eigenschaft schätzen Sie an sich selbst am meisten?

Effizienz.

Welche der sieben Todsünden wird überschätzt? Die

Ausschweifung.

Ihre Lieblingsbeschäftigung? Häuser einrichten.

Mit welcher literarischen Figur können Sie sich

identifizieren? Scarlett O’Hara.

Was schätzen Sie bei ihren Freunden am meisten? Loyalität

und Nachsicht oder Toleranz.

Ihre größte Leistung? Keine.

Welchen Lebenstraum haben Sie aufgegeben? Eine Piano-Bar zu

haben.

Wofür haben Sie sich zuletzt entschuldigt? Dafür, dass ich

laut geworden bin.

Ihr Lieblingswort? Freude.

Was macht Sie nervös? Interviews.

Worauf können Sie verzichten? Salat.

Welchen Roman der Weltliteratur haben Sie nicht zu Ende

gelesen? Es gibt Tausende, die ich nicht einmal angefangen

habe.

Welchen Roman hätten Sie gern angeregt? Ich habe

Autorenrechte von James Joyce, William Faulkner und Rudyard

Kipling ausgelöst, was diesen Schriftstellern eine größere

Verbreitung in der spanischsprachigen Welt ermöglichte.

Sind Sie eine Gegnerin oder Befürworterin der neuen

E-Books? Von Gegnerin kann keine Rede sein; ich habe meine

ersten hundert E-Bücher unter Vertrag.

Wen würden Sie gern einmal wiedersehen? Meinen Bruder Eric

und Manolo Vázquez Montalbán.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen? Erinnerung.

Wie möchten Sie sterben? Wenn möglich, schlafend an meinem

Schreibtisch.

Und dann? We’ll always have Paris.

Die Memoiren von Ingrid Betancourt sind in Frankfurt im Angebot. Drei

deutsche Verlagsgruppen erhielten das Manuskript der jahrelang entführten

kolumbianischen Politikerin zur Prüfung, Gebote werden während der Messe

erwartet, der Zuschlag erfolgt danach. Ob es sich auf RTL-taugliche reißerische

Details aus der Leidenszeit konzentriert oder ein eher intellektuelles Publikum

ansprechen soll, ist offen. Französische Verlage bekommen das Buch erst später

angeboten; die Agentin Susanna Lea fürchtet dort noch eine Übersättigung mit

Details von der Entführung.

Den neuen Nobelpreisträger Jean-Marie Gustave Le Clézio haben gleich drei

deutsche Verlage zu bieten. Aber Piper hatte ihn mit „Das Protokoll“ als erstes

Haus im Programm – und das frisch mit aktuellem Nobelpreis-Aufdruck erschienene

Taschenbuch hat auch noch den typischen Satzspiegel des sechziger Jahre.

Der „kurioseste Buchtitel des Jahres“ heißt „Begegnungen mit dem

Serienmörder. Jetzt sprechen die Opfer„. Eine Jury um Susanne Fröhlich wählte

Stephan Harborts Buch (Droste) auf Platz eins des erstmals von „Börsenblatt“ und

„Schotts Sammelsurium“ organisierten Wettbewerbs. Juror Elmar Krekeler würdigte

es als „große Titeleikunst nah am Wahnsinn“.

Bei sechsstelliger Vorschusszahlung jubiliert das Herz des Geistesmenschen:

Die Kritikerlegende Joachim Kaiser offenbarte gestern auf der Messe gutgelaunt

und gutgebräunt, wie ihn der Ullstein-Verlag zu seinem neuen Buch „Der letzte

Mohikaner“ überredet hat. Seine Tochter Henriette schrieb dann gemeinsam mit ihm

ein Porträt von Vater Kaiser – tröstlich, dass sich lebenslange

Hochkulturleidenschaft bezahlt macht.

Buchführung bringt Bücher hervor: Dirk Müller ist bekannt als „Mister Dax“.

Der junge Skontroführer der Frankfurter Börse hat sich dank Fernsehen zum

heimlichen Star entwickelt. Bei Droemer-Knaur wird er bald Buchautor.

Bis Seite 227 hatte sich die Justizministerin immerhin vorgekämpft, dann

reichte es ihr: Mit David, dem von einer Frau besessenen Helden in Feridun

Zaimoglus gefeiertem Roman „Liebesbrand„, konnte Brigitte Zypries nichts

anfangen. Zaimoglus Sex-Beschreibungen fand sie nicht schön. Jede Menge Stalking

erkannte sie in Davids Verhalten. Zaimoglus Held jage einer Frau hinterher, die

ihn nicht wolle. Das konnte natürlich einer Justizministerin nicht gefallen, die

ein Anti-Stalking-Gesetz auf den Weg gebracht hat. Dem Autor aber gefiel nicht,

was sie sagte: Ratlos lächelte Zaimoglu in Halle 3. Über „Suchen und Finden“

sollten die Politikerin und der Schriftsteller eigentlich miteinander sprechen.

Im Messegetümmel jedoch verfehlten sie sich.

Wie man auch morgen noch Geld verdient

Hier schreibt der gefürchtetste Agent der Branche. Andrew Wylie, genannt

„der Schakal“, schlägt für seine Autoren Millionenvorschüsse heraus, er quält

Verleger so subtil, dass sie von ihm träumen. Am Montag hat er Nabokovs

nachgelassenen Roman an Rowohlt verkauft, gestern in „Ernos Bistro“ im Kreis

einiger Auserwählter eine neue Verlagsära ausgerufen. Ist seine Herrschaft durch

das E-Book beendet? Im Gegenteil – er hat längst einen Plan.

Von Andrew Wylie

Die jüngsten Tendenzen in den Verhandlungen zwischen E-Book-Händlern, Verlagen

und Literaturagenten stellen eine Bedrohung für die Verlagsbranche und das

gedruckte Buch dar. Nach den bislang üblichen Bedingungen, wie serten

herausgebildet haben, entfiel auf Verlag und Autor ein ungefähr gleicher

Gewinnanteil an jedem gedruckten Buch – etwa fünfzehn Prozent im Hardcover, 7,5

Prozent im Taschenbuch.

Seit zehn Jahren sieht sich das Modell der bestsellergestützten

Großbuchhandelsketten mit dem von Amazon entwickelten Projekt einer quasi

Borgesianischen Bibliothek mit unendlich vielen Einzeltiteln konfrontiert. Dank

Kindle, dem E-Book-Lesegerät, das dieses digitale Modell unterstützt, konnte

Amazon seinen Marktanteil in jüngster Zeit steigern. Amazon macht viel Reklame

für sein Lesegerät, und die Verlage versuchen erst einmal, das neue Rechenmodell

an ahnungslose Autoren und deren Agenten weiterzugeben. Die Lage ist alles

andere als befriedigend. Ein Vergleich zwischen der alten und der neuen

Situation soll das deutlich machen: Bislang lagen die Herstellungskosten der

Verlage bei fünfzehn bis zwanzig Prozent des Ladenpreises pro verkauftem

Exemplar. Bei einem Buch, das zwanzig Euro kostet, wendete der Verlag drei bis

vier Euro für DPB (Druck, Papier, Bindung) auf. Etwa fünfzig Prozent des

Ladenpreises erhielt der Verlag vom Buchhändler, und die übrigen sechs bis

sieben Euro gingen zu ungefähr gleichen Teilen an Verlag und Autor. Im Fall von

Großbuchhandlungen, wo Verlage weniger als fünfzig Prozent des Ladenpreises

erhielten, mussten sich auch die Autoren mit weniger als fünfzehn Prozent ihrer

Tantiemen zufriedengeben.

Doch das E-Book kommt ohne DPB aus, da es nicht gedruckt und nicht gebunden

wird. Die Anschaffungskosten sind (pro Titel gerechnet) zwar noch relativ hoch,

doch in dem Maße, wie sich die Technik weiterentwickelt und der Umsatz wächst,

werden diese Kosten deutlich sinken. Amazon und Verlage tun aber so, als wären

diese zusätzlichen fünfzehn Prozent Gewinn (das heißt die eingesparten

Herstellungskosten) eine unerhebliche Größe, deren Verwendung zwischen Verlag

und Anbieter geregelt werden sollte.

Also werden die Verlage versuchen, das neue Kindle-Rechenmodell einfach

weiterzugeben, und die Autoren drängen, E-Book-Tantiemen in Höhe der bislang

üblichen zu akzeptieren. Stimmen Agenten und Autoren dem zu, erzielt entweder

der Verlag deutlich mehr Gewinn pro verkauftem Exemplar oder aber (womit eher zu

rechnen ist) Amazon wird diesen zusätzlichen Gewinn einbehalten oder seine

E-Book-Preise um fünfzehn Prozent oder mehr senken, um dieses plötzlich

lukrativere Format für kostenbewusste Leser attraktiver zu machen.

Wenn ein neuer Roman in gedruckter Form zu einem Ladenpreis von zwanzig Euro

oder als E-Book zum Preis von siebzehn Euro angeboten wird, ist absehbar, dass

sich mit der Zeit das billigere, lukrativere digitale Format am Markt durchsetzt

und das gedruckte Buch ins Abseits gerät und untergeht.

Und wenn das gedruckte Buch ins Abseits gerät und untergeht, werden auch die

Verlage Schiffbruch erleiden. Autoren werden ihre Verträge direkt mit den

E-Book-Händlern abschließen. Die Backlist wird nicht mehr gepflegt, kein

Buchhändler wird einen Titel mehr zur Ansicht bestellen können. Und früher oder

später wird sich auch im E-Book-Geschäft jenes unselige Großbuchhändlermodell

durchsetzen, das von kurzlebigen Allerweltsbestsellern geprägt und dominiert

wird – im Grunde genau das, was in der Musikbranche passiert ist.

Der Ausweg: Agenten und Verlage müssen auf gleichen Wettbewerbsbedingungen für

das gedruckte und das digitale Buch bestehen. Beide Versionen müssen zu

demselben Preis angeboten werden. Autoren sollten beim Hardcover im ersten Jahr

22,5 Prozent des Ladenpreises von E-Books erhalten, anschließend 11,25 Prozent.

So könnten Verlage und Autoren gleichberechtigt von der Wirtschaftlichkeit des

digitalen Formats profitieren, ohne dass das E-Book durch billigere Preise oder

höhere Gewinnmargen gegenüber dem Buch bevorzugt würde.

Die Musikbranche reagierte abwartend und zerfiel. Die Buchbranche steht heute

vor einer ähnlichen Herausforderung, sie muss ihr entschlossen begegnen.

Aus dem Englischen von Matthias Fienbork.

Vierhundert Seiten für eine Nacht im Zentrum von allem

Party für alle – Der Kritiker-Empfang des Suhrkamp Verlags ist und bleibt

das Herz der Messe

Um 17.20 Uhr schwebt die Verlegerin herab. Die Treppe herab, vom ersten Stock,

und natürlich sind wieder alle da. Das ganze deutsche literarische Leben. Die

Kritiker und die Schriftsteller. Kritiker verachten sich. Kritiker ignorieren

sich. Aber einmal im Jahr kommen sie eben zusammen, zum Kritiker-Empfang der

Suhrkamps in diesem Haus unter dem Goethe-Bild von Warhol und dem

Zigaretten-Bild von Robert Walser. Alle reden auf dieser Messe von Uwe Tellkamp.

Nur hier ist der Suhrkamp-Autor einer von dreißig. Ulla Unseld-Berkéwicz

verliest die Namen der anwesenden Autoren. Der Buchpreisträger ist nur einer von

allen. Dann liest Sybille Lewitscharoff eine Bulgarien- und

Ornithologenabrechnung, einen Ausschnitt eines Romans, der bei Suhrkamp

erscheinen wird. Marcel Beyer, der Autor eines Ornithologen-Romans in diesem

Frühjahr, kniet etwas gequält vor dem Podium der Autorin und lacht. Rainald

Goetz hat seinen Stammplatz neben dem Lesepult gleich nach der

Verlegerinnen-Ansprache für sie aufgegeben. Im nächsten Frühjahr kommt der erste

neue Thomas-Bernhard-Band seit zwanzig Jahren, erfahren wir noch. Und eine

traumhafte Suhrkamp-Lektorin musste in der Nacht noch vierhundert

Frühjahrs-Seiten bearbeiten und fuhr schnell nach Haus.

Richard Charkin

Hall Eight

The guest of this year’s Fair is Turkey and the theme is e-books. Or is the

theme Turkey and the guest an e-book? I know next to nothing about Turkey and

not much more about e-books.

There is a huge amount of discussion about e-book readers. Is this the i-Pod

moment for the book trade? Can you read an e-book in the bath? Will Amazon

control the market? Isn’t the Sony machine too expensive? If I buy an e-book in

America will I be able to read it in Germany? And so on.

The truth is that none of us has an answer to these questions. We in the book

business know as little about the future as the world’s bankers know about

sub-prime mortgages. Fortunately our mistakes won’t cost nearly as much. What is

clear is that everyone in Hall 8 wants digital books to succeed. A vibrant

e-book market would inject growth into the business; it would simplify the

distribution chain; it would save trees; it would broaden the potential market

for all titles; and it would perhaps attract a new breed of reader. The problem

for general book publishers is that it ain’t easy. There are legal issues,

technology knots, author earnings questions, issues of pricing both for the

hardware and for the content. And what is the role of the traditional

independent bookseller? Or even the new Internet booksellers? Some people (not

me) challenge the role of publishers. All of these discussions are taking place

against a reality of relatively low e-book sales and lack of certainty about

consumer uptake. Time will tell.

Something much more tangible was revealed on the Bloomsbury stand this morning –

a brand new business is being created, Bloomsbury Qatar Foundation Publishing. I

may be proved wrong but my guess is that, away from all the hype about authors‘

advances and „the book of the fair“, this will be the most significant deal of

all.

And to end today’s sermon a few highlights and lowlights from the Fair. The

dinner for Peter Mayer of Overlook and Duckworth where all mention of e-book

royalties was officially banned; The famous German gymnast sitting with his

literary agent at the bar of the Frankfurter Hof until 4 a.m. pitching his

memoirs to any passing drunken publisher; New York’s favourite publisher, George

Gibson, was thought to be British purely on the basis of being seen kissing

another man; rumour has it that the great Britsh chef, Heston Blumenthal, is in

fact German and that German rights to his Big Fat Duck book are about to be

snapped up; and I discovered a new term – T30 – any suggestions?

Den Blog von Richard Charkin lesen Sie auch unter www.faz.net/charkin

Auf der Party-Meile

Romanfabrik, 20 Uhr

Kollektivierung rückwärts: Aufbau wird Familienfirma

Romanfabrik heißt der Ort, nicht der Verlag, obwohl das ein angemessener

Name wäre; sie hätten sogar überlegt, ihn in „Phönix“ zu nennen, sagt nachher

René Strien, der Geschäftsführer (im Bild links), glücklich, aber recht

mitgenomen: „Aufbau ist Aufbau, und Aufbau bleibt Aufbau!, und, für die

internationalen Gäste: „Aufbau is whereever our heart is . . . or whatever . .

.“ Befreiter Applaus, dann Bier und Geschnetzeltes. Von der Wand lacht

Feuchtwanger: „Feuer weitergeben, nicht Asche!“ Ephorische Aufbau-Lektoren

verlautbaren: Die Stärke des Verlags ist das Vertrauen der Autoren, die in der

Krise dageblieben sind. Sätze, für das Frankfurter Bankenviertel! Und der Grund

für das Aufatmen? Spricht heute mal noch nicht, guckt erst mal nur zu: Matthias

Koch, Kaufmann aus Berlin (Bildmitte). Das sei übrigens eine

Familienentscheidung gewesen, sagt Strien: Ehefrau und Töchter hätten da auch

ein Wörtchen mitgeredet. Die Damen nicken das mal so ab. Und wenn die Party gut

wird, gibt es die jetzt immer am Buchmessenmittwoch. Man hat gar nicht so viele

Daumen, wie man hochhalten möchte.

Frankfurter Hof, 19 Uhr

Champagner bei Flammarion

Die Franzosen haben Stil: Wenn Flammarion zur „Cocktail Party“ bittet, wird

Champagner ausgeschenkt. Die Verlagschefin Teresa Cremisi hat mit dem nicht

angekündigten Buch von Michel Houellebecq und Bernard-Henri Lévy in Frankreich

einen Coup gelandet. Ob das jetzt Schule mache, das Überraschungsbuch? „Non,

non“, sagt sie, „aber mit diesem hat es doch gut funktioniert!“ Cremisi hat die

beiden Autoren zusammengebracht, die sich vorher kaum kannten. Und, ja, das

könne sie verraten, dass der wunderbare Michel auch mit seinem nächsten Roman

wieder zu Flammarion zurückkehren werde. Aber das dauert noch. Im Frühjahr

kommen erst mal Houllebecqs Essays: „Interventions II“.

20.30 Uhr, Schirn

Bewaffnete bei Rowohlt

Warum sich nur keiner findet, der dem bösen Geiste der Welt die Kugel durch

den Kopf jagt, sagt Rolf Hochhuth. Er zitiert Kleist, 1805, über Napoleon. Den

Rest, den er auf der Rowohlt-Party gesagt hat über Banker und Krise, dürfen

wiederum wir nicht zitieren, nur so viel: Hochhuth rät, in Eigenheim zu

investieren, er hat ein Gedicht über die Krise geschrieben, zwanzig Zeilen lang,

kleistinspiriert, hat er leider nicht dabei, will es aber mailen. Dann sieht er

Wolfram Siebeck im Hof der Schirn, wo sie dieses Jahr alle stehen, Heinz Strunk,

Stefan von Holtzbrinck, Petra Gerster, weil man hier rauchen kann, doch die zwei

reißt die Rede auseinander, die Hochhuths Verlagschef Alexander Fest an die

Gäste hält: „All I want is everything“, sagt der. Klingt börsianisch, ist

Hemingway und soll die Philosophie des hundertjährigen Verlags beschreiben.

Nicht ganz so lang dauert die Party, ist aber seit circa 1908 die vollste der

Messe.

Hier wird Amerika neu gedacht

Dieser Verlag kommt nicht zur Messe. Andrew Wylie gibt trotzdem ein Essen

ihm zu Ehren: Was McSweeney’s in San Francisco so besonders macht.

Von Thomas David

Dave Eggers hat bei uns gerade sein neues Buch „What is the What

veröffentlicht. „McSweeney’s“, die von ihm herausgegebene Literaturzeitschrift,

feiert dieser Tage zehnten Geburtstag und wirkt irgendwie verspielter und

verpeilter denn je. Ihre ursprünglich auf das Unangepasste und Schräge zielende

Ausrichtung hat der amerikanischen Gegenwartsliteratur immer wieder neue Wege

gezeigt. David Foster Wallace und William T. Vollmann, Lydia Davis, Nathan

Englander und Aleksandar Hemon – die Liste der Autoren, deren Short Stories

Eggers in seiner vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift veröffentlicht hat,

ist prominent bestückt. Ben Greenman, Yannick Murphy, Nathaniel Minton. Nie

gehört? „McSweeney’s“ ist voller überraschender Entdeckungen. In dem

gleichnamigen Verlag in San Francisco, in einem loftartigen Büro an der Valencia

Street, filtert Eggers‘ Team den reinen Sauerstoff unverbrauchter Literatur. Das

kleine Papiergeschäft, mit dem sich McSweeney’s tarnt, verkauft

Glückwunschkarten, bedruckte T-Shirts und Rollen bunten Geschenkpapiers.

„Was mich von Anfang an für diesen Verlag eingenommen hat, war die Verbindung

des Experimentellen und Innovativen mit dem Humorvollen und leicht Zugänglichen,

die vieles von dem auszeichnet, was bei McSweeney’s erscheint.“ Andrew Leland

ist Managing Editor der Kulturzeitschrift „The Believer“, die auch bei

McSweeney’s erscheint. Leland sitzt an einem alten Schreibtisch; sein Notebook

hat er auf einen Stapel Bücher gestellt. Pappkartons und Versandtaschen,

Fahrräder, die an einem Kübel lehnen, in dem eine einsame Palme steckt. Jordan

Bass, seit drei Jahren Managing Editor von „McSweeney’s“, verschanzt sich hinter

einem klavierhohen Sekretär, der wie das gesamte Mobiliar des Verlags dem

staubigen Wohnzimmer eines verstorbenen Verwandten zu entstammen scheint. „Ich

glaube, es ist der Geist von McSweeney’s, dass wir permanent versuchen, die

Dinge zu erneuern oder sogar neu zu erfinden, ohne dafür den intellektuellen

Anspruch unserer Arbeit zu opfern“, sagt Leland. „Wir wollen unsere Leser

herausfordern, ohne sie dabei mit Langeweile zu beleidigen.“ Für neue Möbel ist

bei McSweeney’s keine Zeit.

Im Regal stehen die ersten Exemplare von „Underground America„, dem soeben

erschienenen dritten Band der von Eggers herausgegebenen Oral-History-Reihe

„Voice of Witness“, der die Lebensgeschichten von 24 illegalen Einwanderern in

die Vereinigten Staaten dokumentiert. In einem kleinen, von der hohen Regalwand

begrenzten Raum setzt sich Eggers auf das zerknautschte Sofa. Vor ihm liegt die

jüngste Ausgabe von „McSweeney’s“, die diesmal aus acht in einer flachen

Schachtel ausgelegten Minibüchern besteht. „McSweeney’s“ verändert mit jeder

neuen Ausgabe seine Gestalt, während der „Believer“ nach dem Aufblättern des

bunten, meist mit flüchtigen Porträtskizzen versehenen Covers durch seine

sparsame, oft nur von wenigen Zeichnungen aufgelockerte Gestaltung besticht,

deren nüchterne Verspieltheit längst stilbildend geworden ist. In der

September-Ausgabe spricht Richard Dawkins in einem Interview unter anderem über

die Wissenschaftlichkeit von Lyrik. „,The Believer‘ und eigentlich alles andere,

was wir bei McSweeney’s veröffentlichen“, sagt Eggers, „ist vom Glauben an den

Wert und die Kraft der Literatur und aller anderen Künste angetrieben. Wir

glauben, dass all diese Dinge ein Recht haben zu existieren.“

Eggers nimmt die Baseballkappe ab und fährt sich mit der Hand durch das dichte

Haar. Seine Assistentin steht in der Tür und erinnert ihn an einen Termin auf

der gegenüberliegenden Seite der Valencia Street, wo sich die Schreibwerkstatt

befindet, die Eggers für die Kinder und Jugendlichen des Mission District

gegründet hat. Eggers selbst unterrichtet eine Gruppe fortgeschrittener Schüler

und Studenten aus der Nachbarschaft jeden Dienstagabend im Keller von

McSweeney’s, wo hinter einer wackligen Tischtennisplatte ein paar abgewetzte

Sofas stehen. „Es geht uns darum herauszufinden, welche Herausforderungen man an

sich selbst stellen kann“, sagt Eggers. „Wenn ein Buch, das wir bei McSweeney’s

gemacht haben, dann erst mal in der Welt ist, hoffe ich, dass es die Menschen

bewegt, dass es sie bereichert und erhellt, und dass es Einfluss darauf hat, wie

sie die Welt betrachten.“


4 Kommentare zu “Buchmesse Frankfurt 2008 – FAZ Messezeitung Tag 2” Eigenen verfassen
  1. Hashi

    Yea

    17.07.2016
  2. Lamps and Lamp Shades

    There is apparently a bunch to know about this. I assume you made some nice points in features also.

    22.03.2016
  3. […] Satz aus der FAZ Messezeitung zu unserer Diskussion auf dem BIT-Sofa ist bei mir besonders hängengeblieben: “Man sollte […]

    28.10.2008
  4. […] Becker von der Stadtbibliothek München und Mathias Schindler von Wikimedia Deutschland. Folgendes FAZ-Feedback habe ich im Blog von buecher.de zu unserer Diskussion gefunden: “Der Ort des Geschehens: 14.30 Uhr B.I.T.-Sofa Wir sind nicht […]

    16.10.2008
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