Breaking News von Frank Schätzing – Unser Buchtipp

Schätzing - Breaking News

Schätzing: Breaking News

Richtig lesenswerte Thriller kann Frank Schätzing in der Tat schreiben. Seine Werke „Der Schwarm“ oder „Limit“ stiegen zu absoluten Bestsellern auf. Lediglich auf dem US-amerikanischen Markt scheint der ehemalige Kölner Werbetexter noch nicht so recht Fuß gefasst zu haben. Das dürfte auch die einzige Erklärung dafür sein, dass seine Geschichten, die von großem Unterhaltungspotenzial zehren, noch nicht ihren Weg auf die Kinoleinwand geschafft haben. Mit seinem neuesten Stück „Breaking News“, bei welchem erstmals ein englischer Titel auf dem Cover glänzt, könnte sich das ändern. Für die deutschen Leser endet eine fast fünfjährige Durststrecke, in der sie verzweifelt auf eine Neuerscheinung hofften. Die Wartezeit, so viel sei versprochen, hat sich mehr als gelohnt.

Breaking News – Ab nach Nahost

Schätzing-Fans erlebten in der Vergangenheit ein versuchtes Attentat auf Präsident Clinton, Expeditionen zum Mond oder in die Tiefsee. In „Breaking News“ geht es direkt ins Epizentrum einer der präsentesten globalen Krisenzonen. Schätzing selbst reiste etwa ein Jahr in die Region rund um den Gazastreifen, weil er verhindern wollte, aus einer westeuropäischen Brille zu schreiben. So entführt er uns in eine Welt, die wir aus den täglichen Nachrichtenmeldungen bestens zu kennen scheinen. Über die wir genau betrachtet aber nur auf Basis von Vorurteilen sprechen können. Nach diesem Buch, wenngleich nur Fiktion, wird sich das ändern. Bis auf Schätzings Hauptakteur agieren ausschließlich Israelis und Palästinenser. So wird Journalist Tom Hagen in ein Ensemble eingebunden, das vor Ort direkt mit dem Konflikt aufgewachsen ist, einen Teil des Ganzen darstellt. Hagen, früher Top-Kriegsberichterstatter, wittert nach dem Erhalt einer brisanten „Breaking News“ vom israelischen Geheimdienst die lang ersehnte Chance einen Karriere erschütternden Zwischenfall in Afghanistan vergessen zu machen.

Breaking News – Fiktive Story in realem Rahmen

Kaum ist Hagen in Tel Aviv angekommen, stößt er auf eine folgenschwere Geschichte, die bis in die 1920er zurückreicht. Anhand von zwei, damals nach Palästina eingereisten Familien lässt sich der gesamte Geschichtsablauf der letzten einhundert Jahre mit allen Wirrungen und politischen Verstrickungen rekonstruieren. Das birgt nicht nur großes Enthüllungspotenzial, sondern auch Gefahren. Gut, dass er mit Ärztin Yael Kahn eine ortskundige Person an die Seite gestellt bekommt. Das Bemerkenswerteste an Schätzings fast 1000 Seiten starken Mammutprojekts ist die Tatsache, dass er eine fiktive Verschwörungstheorie wahnsinnig geschickt in den realen Rahmen einbindet. Auch nach der Lektüre von „Breaking News“ können wir nicht so wirklich sagen, ob sein Konstrukt nicht doch der Wahrheit entsprechen könnte. Die Geschichte müsste dafür nicht umgeschrieben werden, denn dieser Thriller passt in diese ebenso wie der Roman in jedes Bücherregal.


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