Alfred Hitchcocks „Rebecca“ – vor 62 Jahren startete seine Hollywood-Karriere: eine Erinnerung

Rebecca„(Wir wollen) nicht die verzerrte und vulgarisierte Version eines Werks, das sich doch bereits als erfolgreich erwiesen hat.“, war die strikte Verneinung Hitchcocks ersten Drehbuchvorschlags durch seinen Produzenten, David O. Selznick. Der bis dahin unverfilmte Bestseller „Rebecca“, veröffentlicht von Daphne Du Maurier im Jahr 1938, wurde von Alfred Hitchcock selbst zur Adaption vorgeschlagen. Die Realisierung des Projekts überstieg den finanziellen Handlungsspielraum des Hollywood-Frischlings allerdings bei Weitem. Trotz der Abhängigkeit, die sich daraus ergab, arbeitete er, zur Verwunderung aller, von Anfang an mit sehr eigenwilligen Methoden, dessen Erfolge ihn aber zu einem der bedeutendsten Regisseure der Filmgeschichte avancieren ließen.

Buch über unveröffentlichte Szenen

Bis heute gilt es als absolut unüblich, ausschließlich verwertbare Szenen zu drehen, die anschließend kaum Raum für eine Nachbearbeitung lassen. Doch nicht nur die Motive des Films hatte er längst schon visualisiert, er wusste auch genau, welche innere Haltung er von den Schauspielern erwartete und unternahm in diesem Zusammenhang sehr extreme Bemühungen, um seine Ziele zu erreichen. Joan Fountaine, die in ihrer Hauptrolle eine latent eingeschüchterte, introvertierte Frau darstellt, wurde von Hitchcock während der Dreharbeiten bei jeder Gelegenheit darauf hingewiesen, dass sie niemand am Set leiden könne, was bei ihr eine langanhaltende depressive Stimmung zur Folge hatte. Ob beabsichtigt oder nicht, so war es der Authentizität der Darstellung über alle Maßen zuträglich und wurde mit einer Oscar-Nominierung belohnt. Ebenfalls von der Academy vorgeschlagen waren Selznick, Laurence Olivier als männlicher Hauptdarsteller und Judith Anderson, die ihre Rolle als bösartige Haushälterin perfekt ausfüllte. Nur die Kameraarbeit und Selznick wurden für „Rebecca“ mit einem Oscar bedacht, womit Selznick seinen vorangegangenen Erfolg von „Vom Winde verweht“ bestätigt wiederholte. Zeitlebens erhielt Hitchcock nur eine goldene Statue und diese auch nicht als direkte Auszeichnung für eine seiner Arbeiten, sondern, eher als entschuldigenden Kompromiss, für sein Lebenswerk – das Schicksal sehr vieler zu lang verkannter und spät erkannter Genies aller Kunstrichtungen.

Die bedeutsame Göße des 1,70m kleinen Mannes bleibt unbestritten: Er prägte Begriffe wie „Suspense“ (Gespanntheit) und „MacGuffin“, was Gegenstände oder Personen umschreibt, die eher eine nebensächliche Rolle spielen, aber die Handlung entscheidend vorantreiben. Sein Metier blieb der Thriller, dessen Spannung er auch immer eine Priese britischen Humor entgegen setzte. Seine unpopuläre Themenwahl von Angst, Schuld, Identitätsverlust und unschuldig verfolgt, zog sich beinahe komplett durch seine 53 Spielfilme, deren Planung und Realsierung er in jedem Moment streng kontrollierte. Vielleicht stammte seine Genauigkeit aus seinem eigentlichen Beruf des Technischen Bauzeichners, dem er dank seines Zeichentalents schon früh entsagen konnte und seine Karriere als Illustrator von Zwischentiteln in Stummfilmen begann. Seine Lernbereitschaft übertrug ihm mit der Zeit auch andere Bereiche wie das Szenenbild oder die Regie-Assistenz und förderte so sein übergreifendes filmisches Verständnis.

sämtliche FilmeHollywood wurde ab 1938 auf ihn aufmerksam, nachdem er sich innerhalb Europas als Produzent etabliert hatte. Bis zu seinem Tod 1980 erarbeitete er sich eine unvergleichliche psychologische Dichte seiner Charaktere, eine stilistisch düstere Romantik und intelligent-versponnene Handlungsfäden mit unvorhersehbaren Auflösungen. Im Einsatz von Licht, Farben, Ton, Musik und Tricktechnik setzte er Maßstäbe. Seine Produktionen förderten das Ansehen und die Bekanntheit heutiger Filmlegenden wie Audrey Hepburn, Shirley MacLaine, Henry Fonda und selbstredend der unnachahmlichen Grace Kelly. Meisterwerke wie „Die Vögel“, „Bei Anruf Mord“, „Über den Dächern von Nizza“ und eben auch „Rebecca“ zieren jede Klassiker-Kollektion und wer sie nicht kennt, ist angehalten, diese Bildungslücke schnellstmöglich zu schließen.


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