Swetlana Alexijewitsch erhält den Literaturnobelpreis 2015

Alexijewitsch - Secondhand-ZeitDie Nachfolgerin von Patrick Modiano steht fest: Swetlana Alexijewitsch gewinnt den Nobelpreis für Literatur und geht so verdientermaßen in die Liste der erfolgreichsten Schriftsteller aller Zeiten ein. Die 67-jährige Weißrussin galt vorab als große Favoritin. Zumal sie bereits in den letzten Jahren als potenzielle Preisträgerin im Gespräch war. Am Donnerstag gab die Schwedische Akademie nun bekannt, dass sie als 14. Frau und erste Literatin Weißrusslands in die Historie der Literaturnobelpreis-Annalen eingeht. Grund sei laut Jury „ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt“.

Swetlana Alexijewitsch – Eine Weißrussin mit literarischem Erfolg

Swetlana Alexijewitsch wurde 1948 im westukrainischen Stanislaw als Tochter eines weißrussischen Soldaten geboren. Als dieser aus der Armee austrat, zog die Familie nach Weißrussland. Nach ihrem Journalistik-Studium in Minsk arbeitete Alexijewitsch zunächst als Lehrerin und Journalistin, ehe sie sich als Schriftstellerin versuchte. Da ihre Bücher vom Regime alles andere als freundlich aufgenommen wurden, lebte und publizierte sie vermehrt im Ausland, wo sie zahlreiche Literaturpreise absahnte. Unter anderem gab es 1996 den Tucholsky-Preis des schwedischen P.E.N., 1999 den Herder-Preis und 2001 den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis. 2013 wurde sie im Rahmen der Frankfurter Buchmesse zudem mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet, eine Reaktion auf ihre oppositionelle Haltung gegenüber der heimischen Politik.

Swetlana Alexijewitsch – Dokumentarische Werke, die Menschen eine Stimme verleihen

Alexijewitschs große Stärke liegt in der Zusammenführung verschiedenster Stimmen. Anhand von Interviews und Zeitzeugenberichten fertigt sie dokumentarisch gefärbte politische Collagen, in denen jenen Menschen Gehör verschafft wird, die direkt von Krieg und Verfolgung beeinflusst sind. Gleich mit ihrem ersten Roman „Der Krieg kennt kein weibliches Gesicht“ gelang ihr ein Wahnsinnserfolg. Zwei Millionen Exemplare des Berichts von und über Frauen, die gegen das deutsche NS-Regime gekämpft haben, wurden bis heute verkauft. Der Krieg spielt auch in „Zinkjungen. Afghanistan und die Folgen“ eine wichtige Rolle, werden hier doch die Erinnerungen sowjetischer Veteranen aus der Afghanistan-Mission thematisiert. „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“ widmete sich der verheerenden Reaktor-Katastrophe, „Die letzten Zeugen. Kinder im Zweiten Weltkrieg“ den ganzen jungen Kriegsopfern. Zuletzt sorgte „Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus“ für Furore. Hier zeigt Swetlana Alexijewitsch, was der gescheiterte Versuch eines kommunistischen Experiments innerhalb der Sowjetunion mit den Menschen gemacht hat.


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