100. Geburtstag von Erich Honecker

Herzog - Honecker privatWir Menschen erinnern uns an andere Menschen, wenn wir sie mit gewissen Dingen oder Ereignissen verbinden. Helmut Rahn werden wir immer als den Siegtorschützen beim Wunder von Bern in Erinnerung halten, Schauspieler Daniel Radcliffe vor allem als Harry Potter sehen und Barack Obama auf ewig mit dem Spruch „Yes we can“ in Verbindung bringen. Alle drei haben etwas in ihrem Leben erreicht, so dass sie ihre eigene Zeit überdauern. Gleiches gilt für Erich Honecker – jener Politiker, den man auf ewig mit der DDR verbinden wird und der am morgigen Samstag seinen 100. Geburtstag feiern würde. Passend zu diesem Jubiläum hat Lothar Herzog, sein ehemaliger Mann für alles, ein Werk herausgebracht, welches uns „Honecker privat“ zeigt.

Anekdoten aus dem Alltag eines Politikers

Die Akte Honecker wurde am Ende seines Lebens unrühmlich geschlossen. Bis kurz vor seinem Tod ermittelte man gegen das langjährige Oberhaupt der Deutschen Demokratischen Republik wegen Anstiftung zur Tötung von Flüchtlingen. Genau diese Themen, seine politisch-bedingten Handlungen, lässt Herzog außen vor und erspart dem Leser so weitere Spekulationen. Viel interessanter wirken die Erzählungen aus dem Alltag eines Mannes, der sonderbare Angewohnheiten hatte. Aus irgendeinem Grund präferierte Honecker Instant-Kaffee anstatt der guten alten Filtervariante. Hinzu kommen auch sein Ticks aus Dosen zu trinken und die seltsame Vorliebe für eine ganz spezielle Biersorte, die Herzog sehr ausführlich darlegt.

Viele offene Fragen

Was den Autor von Beginn an sehr sympathisch macht, ist die Tatsache, dass er bei der ganzen Darstellung Honeckers auch die eigenen Gedanken dazu äußert. Er hinterfragt einige merkwürdige Strukturen, die er nicht verstand, aber stets einzuhalten hatte. Herzog durfte das Staatsoberhaupt nie direkt ansprechen, ihm nur Essen servieren, für sein Wohl sorgen und sein Leben schützen. Als er einmal gegen diese Regel verstieß und darum bat, den Hund des Enkels aus dem Essenszimmer entfernen zu lassen, war er seinen Job los. Dass dies noch andere Gründe hatte, erfuhr Herzog erst später. War doch sein Telefonanschluss, den die Tochter für den Kontakt zu einem Westdeutschen nutzte, der eigentliche Genickbrecher. Die eigene Rolle betrachtet Herzog eher nüchtern, was dem Werk letztendlich auch die ein oder andere komische Anekdote verleiht.


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