10.Spieltag der Fußballbundesliga 2009/10

Für Babbel wird die Luft immer dünnerEin gewöhnliches Fußballspiel dauert 90 Minuten, mal abgesehen von Nachspielzeit, unnötigen Unterbrechungen, Verlängerung und Elfmeterschießen bei Pokalszenarien. In einem gewöhnlichen Fußballspiel stehen sich zwei Mannschaften mit jeweils elf Spielern gegenüber. In gewöhnlichen Fußballspielen geht meist die bessere Mannschaft als Sieger vom Platz und diejenige, welche mehr für das Spiel getan hat, holt sich die drei Punkte. Fußball ist aber eben nicht gewöhnlich und so kommt es schon mal vor, dass wenige Augenblicke das Gewöhnliche zum Ungewöhnlichen machen. Ein Spieler fällt negativ auf, darf nicht mehr mitwirken und fortan sind es eben nicht mehr elf gegen elf. Was interessieren einen die 90 Minuten zu Beginn, wenn man letztendlich erst mit dem Abpfiff sicher sein kann, etwas erreicht zu haben. 1999 waren die Bayern in Barcelona klar die aktivere, die bessere Mannschaft und am Ende waren es die ManUnited-Spieler, die den Pokal in den Händen hielten. Schalke bejubelte bereits die Meisterschaft, wurde vom Land gefeiert und dann kam ein gewisser Herr Andersson und traf zum Titel für den Rekordmeister. Leverkusen spielte 2002 eine tolle Saison, stand am Ende aber mit drei zweiten Plätzen und ohne Titel da, was einmal mehr zeigt, dass im Fußball wenige Augenblicke ausreichen, um Gewöhnliches in Ungewöhnliches zu wandeln.

Wie gewöhnlich kam es an einem Freitagabend zum Spieltagsauftakt. In Leverkusen empfing der ungeschlagene Tabellenführer die zuletzt stabile Borussia aus Dortmund. Beide trafen einmal, beide unterschieden sich in ihrem Spielaufwand und der Effizienz nur minimal und so schien das 1-1 relativ gewöhnlich und nebenbei auch gerechtfertigt. Am Samstag kam es dann sowohl in Mainz, als auch in Hoffenheim zu deutlichen Heimspielerfolgen der zwei Gastgeber. Während die Kraichgauer Nürnberg von Beginn an die Grenzen aufzeigten und durch ein fulminantes Fernschusstor von Eichner, sowie einen Treffer von Ibisevic bereits vor der Pause alles in trockenen Tüchern hatten, tat sich Mainz gegen aktive Freiburger lange schwer. Der Sportclub wirkte frischer und vor allem kreativer, glänzte aber einmal mehr durch rigorose Abschlussschwäche. Der Gastgeber zeigte sich gnadenlos effektiv und hatte in Kapitän Hoogland, der zweimal traf, den überragenden Akteur auf dem Feld. Da in Hoffenheim noch der eingewechselte Zuculini traf und in Mainz der Österreicher Ivanschitz einnetzte, sicherten sich beide Clubs mit einem 3-0 den 5.Saisonsieg. Den haben nun auch die Bayern, die sich zumindest in der Liga langsam aber sicher an das alte Siegergen zurückerinnern.

Die Münchner waren drückend überlegen, doch Alex Meier traf zur zwischenzeitlichen Frankfurter Führung. Die ungewöhnliche Entscheidung van Gaals, Abwehrchef van Buyten zu Spielende ins Sturmzentrum zu justieren, war es schließlich, die den Bayern letztendlich drei Punkte sicherte. Im Gegensatz zum ebenfalls in der Kritik stehenden Bayerncoach sieht Stuttgarts Markus Babbel immer dunkleren Zeiten entgegen. Nach einem couragierten Auftreten in der Champions League Mitte der Woche, zeigten sich die Schwaben in Hannover zunächst in einer erschreckenden Verfassung. Nach dem Führungstor durch Ya Konan wurde der VFB aktiver, kam aber nicht am starken Fromlowitz vorbei und kassierte folgerichtig die sechste Saisonpleite. Gar kein Tor gab´s hingegen beim heißerwarteten Rheinderby zwischen Köln und Gladbach. Die Borussia schien zwar bemüht, blieb aber genauso wie der FC ohne wirkliche Durchschlagskraft vor dem Gehäuse und so komplettierte ein erschreckend schwaches 0-0 den Samstag.

Momentan ist Kuranyi nicht zu bremsenSpannung lag dann auf den in dieser Woche drei Sonntagspielen. Den Beginn gaben am Nachmittag im Berliner Olympiastadion die zuletzt achtmal punktlose Hertha und der Meister aus Wolfsburg. Und auch in dieser Partie warteten die Anhänger beider Vereine auf ein zappelndes Netz. Positiv für die Berliner, die sich endlich mal wieder über einen Punkt freuen dürfen, auch wenn dieser ihnen nicht wirklich weiterhelfen dürfte, geht für die Wölfe nach dem 0-0 gegen Besiktas Istanbul am vergangenen Mittwoch eine absolute Nullwoche zu Ende. Dass die deutsche Fußballwelt trotzdem auf ein ereignisreiches Bundesligawochenende zurückblicken darf, liegt vor allem an den zwei Sonntagabendpartien. In Bochum empfing der heimische VFL die seit Wochen unüberwindbaren Bremer um Torwart Tim Wiese, der am Uraltrekord von Olli Reck kratzte. Da Sestak den Gastgeber binnen Sekunden in Führung brachte, hatte sich dieses Unterfangen aber schnell als nicht verwirklichbar dargestellt. Bremen störte das wenig und so brachten Hunt und Marin Werder noch vor der Pause in Führung, ehe Joker Borowski und Özil in Hälfte zwei den Auswärtsdreier gegen engagierte Bochumer perfekt machten. Viele Tore gab es auch auf Schalke, wo sich der Tabellendritte mit dem direkten Nachbarn aus Hamburg zum Spitzenspiel traf. Nach 45 Minuten schien alles klar, da der HSV durch die Tore von Berg und einem Freistoß von Trochowski bereits 2-0 führte. Nach dem Platzverweis für Rozehnal kam Schalke aber sogar zum Ausgleich, bevor Berg den Gast erneut in Führung bringen konnte. In der Schlussminute gelang Schalke dann aber durch Kuranyi doch noch der verdiente Ausgleich, durch den Schalke den Anschluss hält und Hamburg weiterhin punktgleich mit Leverkusen die Tabellenführung ziert.

Der erste Verfolger der beiden heißt nun Bremen, der am kommenden Wochenende nach Nürnberg reisen darf. Direkt dahinter liegt Schalke, das am Samstagabend gegen Leverkusen erneut versuchen wird, die Tabellenspitze zu erobern. Der Vierte im Bund, der Hamburger SV empfängt zu Hause die Borussia aus Mönchengladbach. Den Auftakt geben am Freitag Dortmund, das den leichten Aufwärtstrend weiter fortsetzen möchte und die Hertha, die nach dem rettenden Strohhalm im Abstiegssumpf sucht. Der Meister aus Wolfsburg empfängt den Tabellennachbarn aus Mainz und blickt zudem auf die direkten Konkurrenten aus Hoffenheim, die am Sonntag in Freiburg zur Abwechslung mal nicht nach 30 Minuten 2-0 in Rückstand liegen wollen. Ebenfalls am Sonntag treffen sich in Frankfurt die im Mittelfeld angekommene Eintracht und der Vorletzte aus Bochum. Neben der Partie Schalke – Leverkusen kann aufgrund der Brisanz auch die Nachmittagspartie Stuttgart gegen Bayern als Topspiel gesehen werden, auch wenn sich die Schwaben derzeit in einem ganz anderen Gefilde als der Rekordmeister wiederfinden. Komplettiert wird der Spieltag mit der Partie 1.FC Köln gegen Hannover 96. Bis dahin erwarten wir viel Ungewöhnliches, denn der Pokal, in dem unter der Woche viele Vereine herandürfen, hat bekanntlich seine eigenen Gesetze.

Elf des Tages:
Fromlowitz – Geromel, M.Friedrich, v. Buyten, Eichner – Hoogland – Hunt, Ivanschitz, Ze Roberto – Kuranyi, Berg
Bildquelle: www.kicker.de


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